Wie finde ich den richtigen Hochzeitsfotografen und wieso sind die eigentlich so teuer?

Annemarie_und_Florian_Vorschau_WEB (20 von 27)Nach meinem letzten Post zum „Projekt Traumhochzeit“ haben mir viele gesagt und geschrieben: „Lasst euch bloß nicht zu sehr stressen von den Hochzeitsvorbereitungen!“ Hier kann ich Entwarnung geben. Mittlerweile (oder momentan) sind wir völlig entspannt. Denn die für uns zwei schwierigsten Aufgaben sind erledigt. Die Locationsuche und die Suche nach einem Hochzeitsfotografen. Warum Letzteres so schwierig für uns war, erklärt sich irgendwie von selbst, aber irgendwie auch wieder nicht. Deshalb erkläre ich es euch heute, genau wie die immerwährende Frage, warum Hochzeitsfotografen eigentlich so einen hohen Stundenlohn haben (haben sie nämlich gar nicht). Und weil ich nicht die leiseste Ahnung hatte, welche Bilder ich für diesen Post nutzen sollte, damit ihr nicht nur Text, Text und nochmal Text seht, hab ich für euch eine Auswahl meiner liebsten Fotos als Hochzeitsfotografin zusammengestellt.

Steffi_&_Klaus_Webgalerie (193 von 201)

Viele von euch haben mittlerweile mitbekommen, dass ich selbst auch mit großer Leidenschaft und ganz viel Liebe Hochzeiten fotografiere. Ich fotografiere maximal 10 Hochzeiten im Jahr, weil ich die Leidenschaft eben nicht verlieren will und ja auch noch andere Dinge zu tun habe (hier habe ich erklärt, womit ich mein Geld verdiene). Aber die knapp 30 Hochzeiten, die ich bisher fotografiert habe, reichen aus, um sich in der Hochzeitsfotografenbranche gut auszukennen. Ich kenne viele Kollegen, bin mit einigen sogar befreundet und so hätte man annehmen, können, dass ich einfach jemanden aus ihnen wähle.

Fabiene_&_Deniz

So wollte ich es auch zuerst machen. Doch ganz so einfach ist das nicht. Denn erstens bin ich bei unserer Hochzeit kein Alleinentscheider. Zu einer Hochzeit gehören immer zwei. Und wenn Stefan der Bildstil meiner Fotografenfreunde zu pastellig, zu düster, zu knallig oder zu schießmichtot ist, dann ist das nunmal so. Also habe ich irgendwann für uns beschlossen, dass wir unseren Hochzeitsfotografen nicht nach dem Freundschaftsgrad auswählen, sondern einen Fotografen, dessen Bildstil genau der ist, den wir uns vorgestellt haben. Und ich begann, mir die Frage zu stellen, die sich die meisten anderen Brautpaare auch stellen: „Wie finde ich den richtigen Hochzeitsfotografen?

Hochzeit Tangermünde Doreen und Markus (48 von 64)

Natürlich habe ich auch vorher schon die Bilder von anderen Hochzeitsfotografen angesehen, sie bewundert, mich inspirieren lassen. Und so tat ich nun genau das, was am naheliegendsten ist. Ich scrollte durch meine Gefällt-mir-Angaben bei Facebook und öffnete die Websites der Hochzeitsfotografen, deren Bildstil ich bewundere. Auch von links und rechts bekam ich noch Tipps, sogar von meinen befreundeten Hochzeitsfotografen, denen ich leider mitteilen musste, dass wir sie nicht buchen werden. (Ich HASSE es, Menschen abzusagen.) Also, fragt Freunde und Bekannte und schaut euch gut die Homepages der Fotografen an.

Wie finde ich den richtigen Hochzeitsfotografen

Außerdem googelte ich, ließ mich in meinen liebsten Hochzeitsbüchern, in Magazinen und auf Hochzeitsblogs inspirieren (die Fotografen, die dort die Bilder machen, fotografieren nämlich auch ganz normale Hochzeiten) und schon hatte ich eine beachtliche Liste zusammen. Und ich bin mir sicher, dass ich immer noch tolle Hochzeitsfotografen „verpasst“ habe.

Hochzeit_auf_Schlosshotel_Burg_Schlitz (134 von 142)

Meine Liste aus etwa 10 Hochzeitsfotografen aus ganz Deutschland präsentierte ich dann Stefan, der jeweils einen kurzen Blick auf eine Hochzeitsreportage der Fotografen warf und innerhalb weniger Minuten die Tabs der Websites nach Priorität sortiert hatte. Zum Glück stimmten unsere Geschmäcker total überein (tun sie übrigens bei fast allem, was die Hochzeit betrifft, puh) und ich machte mich daran, die ersten 6 Favoriten aus der Liste anzuschreiben. Nun möchtet ihr bestimmt wissen, wer das war, nicht? Ich will mal nicht so sein. Denn auch wenn wir im Endeffekt keinen der sechs gebucht haben, haben die Kollegen diese Werbung mehr als verdient. Unsere Favoriten (dies ist keine Rangliste) waren Kristina Assenova, Julia & Gil, Hanna Leberhausen, Hochzeitsbildergeschichten, kreativwedding  und Ashley Ludaescher. Außerdem empfehlen kann ich euch auch noch meine Hochzeitsfotografen-Freunde Manuela Clemens, Pastellgeschichten und Mister & Misses Do. (Ich hoffe sehr, dass ich niemanden vergessen habe.) Ach und mich natürlich, hahaha. 😉

Wie finde ich den richtigen Hochzeitsfotografen

Wenige Tage später hatten alle Hochzeitsfotografen geantwortet, darunter sooo liebe Antworten (naja, eigentlich waren alle Antworten sooo lieb). Einige waren leider bereits ausgebucht und andere sprengten einfach unser Budget. Doch bevor ich euch verrate, wie es weiterging, möchte ich euch kurz etwas sehr Wichtiges erklären. Und zwar, warum Hochzeitsfotografen so teuer sind.

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Warum sind Hochzeitsfotografen so teuer?

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Teuer ist natürlich relativ. Doch wenn ich Menschen aus meinem Umfeld erkläre, dass ich für eine 5-stündige Hochzeitsbegleitung 1090 Euro verlangen muss (und damit liege ich im Mittelfeld), dann schauen mich viele so an, als würden sie auf ein „April, April“ warten. Wenn ich ihnen dann aber vorrechne, warum das so ist, verstehen es die meisten. Also erkläre ich es euch.

Ich habe letzte Woche eine 5-stündige Hochzeitsreportage an das Brautpaar verschickt. Bei dieser Hochzeit habe ich mal ganz genau aufgepasst, wie viele Stunden ich investiert habe. Hier meine Rechnung.

+ E-Mail-Verkehr = 30 Minuten

+ Vorgespräch mit Anfahrt = 2 Stunden

+ Vorbereitung auf die Hochzeit (Akkus laden, Kameratasche packen, Speicherkarten vorbereiten, nach Locations der Trauung, für das Shooting googlen etc.) = 1 Stunde

+ Anfahrt und Rückfahrt = (hier sogar nur) 1,5 Stunden (ich bin immer mindestens eine halbe Stunde vor Beginn des Fotografierens und mindestens eine Stunde vor der Trauung da, abhängig von der Dauer der Anreise und des Staurisikos etc.)

+ Fotografieren vor Ort = 5 Stunden

+ Hochladen der Bilder & Erstellen von ersten Vorschaubildern direkt am Montag nach der Hochzeit, hochladen und verschicken dieser = 3 Stunden

+ Aussortieren und Bearbeitung aller Bilder = 9 Stunden

+ Exportieren & Verpacken der Bilder, Erstellen der Rechnung = 1,5 Stunden

+ Erstellung einer Webgalerie = 30 Minuten

Ich komme auf eine Gesamtstundenzahl von 24 Stunden. Hättet ihr gedacht, dass eine 5-stündige Begleitung tatsächlich so einen enormen Aufwand für den Fotografen ist? Bestimmt nicht, oder? Völlig verständlich. Ich konnte es auch erst glauben, nachdem ich es mal durchgerechnet habe. Hinzu kommt, dass ich 19 Prozent Umsatzsteuer abziehen muss und ja auch noch jährlich Einkommenssteuer zahle. 30% kann ich also locker an das Finanzamt abführen. Dann kommen natürlich auch noch die Kosten für die Verpackung der Bilder und der Drucke, die ich immer beilege, für den USB-Stick, den Versand und so weiter. Hier will ich aber nicht noch näher drauf eingehen, weil das sonst den Artikel sprengt. Ich muss aber für diese Kosten nochmal etwa 30 Euro pro Hochzeit abziehen. Bleiben mir 733 Euro für 24 Stunden Arbeit. Macht einen Stundenlohn von nicht einmal 31 Euro. Klingt nach viel, ist es aber für einen Selbständigen absolut nicht. Glaubt mir. Und besonders nicht für einen reinen Hochzeitsfotografen (die es fast nicht mehr gibt) oder diejenigen, die fast nur von Hochzeiten leben. Denn im Winter sind bekanntlich wenige Hochzeiten, die Hochzeitsfotografen also nicht voll ausgelastet.

Johanna_&_Lukas

Es ist ein langes Thema, über das ich ewig schreiben könnte. Doch ich hoffe, dass euch mein kleines Rechenbeispiel und vor allem die Anzahl an Stunden zeigt, weshalb Hochzeitsfotografen so teuer sein müssen, wenn sie entsprechende Qualität liefern wollen (und Qualität kostet Zeit und Geld für das Equipment) und nicht innerhalb weniger Jahre oder gar Monate Privatinsolvenz anmelden wollen. Sie verlangen diese Preise nicht, um sich an Hochzeiten einen Reibach zu verdienen, sondern weil sie davon leben wollen und müssen.

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Man muss sich also überlegen, ob einem die Bilder das Geld wert sind. Mir sind sie es. Wenn man sparen möchte, hat man noch die Möglichkeit einen Newcomer zu engagieren (vor zwei Jahren und auch vor einem Jahr war ich noch halb so teuer, da ich auch einfach viel weniger Erfahrung hatte und mein Portfolio aufbauen musste), aber das schließt immer ein gewisses Risiko ein. Denn durch die fehlende Erfahrung kann ein Newcomer, selbst wenn er auf seiner Webseite tolle Bilder zeigt, nicht auf jede Situation gelassen reagieren, weil er eben weiß, was man bei Regen, in dunklen Kirchen und so weiter macht. Desto länger man (Hochzeiten) fotografiert, desto selbstbewusster, gelassener und erfahrener wird man und meistens verbessert sich auch das Equipment.

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Nun aber zurück zu unserer Hochzeitsfotografensuche. Auch wenn wir irgendwann bereit waren, bis zu 2000 Euro für unsere Ganztagesbegleitung auszugeben (wir wollen euch ja ordentliche Bilder bieten, nicht wahr ;-)), überstiegen 5 der 6 Kollegen dieses Budget. Das kam teilweise dadurch, dass sie zu zweit fotografieren (und zu zwei muss man ja mehr nehmen) oder die Anreisekosten dazukamen.

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Übrig blieb die liebe Anja von Hochzeitsbildergeschichten, deren Bilder ich vor Jahren das erste Mal auf dem Profil einer Bekannten bei Facebook gesehen und mich verliebt hatte. Anja war auch die einzige, mit der wir uns dann tatsächlich zum unverbindlichen Vorgespräch und Kennenlernen trafen. Das Treffen war so nett, dass wir sie am liebsten sofort gebucht hätten. Doch wenige Tage bevor wir uns mit ihr trafen, kam plötzliche eine ganz neue und dabei doch altbekannte Fotografin ins Spiel.

Wie finde ich den richtigen Hochzeitsfotografen

Anfang 2013 traf ich mich mit der lieben Sandra. Sie hatte meine Fotografenseite bei Facebook entdeckt und wir beschlossen, gegenseitig von uns Bilder zu machen. Von Fotografin zu Fotografin. Und wer hier schon lange liest, kennt die Bilder sogar schon. Sandra und ich verstanden uns wunderbar, doch leider zog sie wenige Wochen nach unserem Treffen zurück nach Marburg und so blieben wir leider nur oberflächlich in Kontakt. Doch dann, vor wenigen Wochen, sah ich ihren Instagram-Account und sah, wie sich ihr Bildstil mittlerweile entwickelt hatte. Ich war sofort Feuer und Flamme. Es war so, als wäre mit Sandra genau die richtige Mischung entstanden. Genau der Bildstil, den wir suchten und eine liebe Person, die bestimmt eine Freundin geworden wäre, wäre sie noch in Berlin. Ich musste Stefan nur wenige Bilder zeigen und schon war er überzeugt. Und wir wären am liebsten in die Luft gesprungen. So wie mein Brautpaar Iza und Markus auf diesem Bild. Wir haben den richtigen Hochzeitsfotografen gefunden!

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