Buch des Monats – Cynthia Hand: Die Unwahrscheinlichkeit des Glücks

Cynthia Hand Die Unwahrscheinlichkeit des Glücks

Drei Tage vor dem Monatsende habe ich es tatsächlich geschafft. Das Buch des Monats ist fertiggelesen und gekührt. Wozu jedoch diese Verspätung von über zwei Wochen? Weil ich bereits ab den ersten Seiten wusste, dass „Die Unwahrscheinlichkeit des Glücks“ das Buch des Monats werden soll. Ich aber nicht enorm viel Zeit und manchmal auch nicht in der richtigen Stimmung war, um ein Buch über Selbstmord zu lesen. Und ich nicht durch das Buch hetzen wollte, nur damit ich es euch möglichst schnell präsentieren kann. Gut Ding will Weile haben und so.

Ich habe seit dem letzten Buch des Monats aber natürlich auch anderes gelesen und gehört. Ich habe mir „Grey“ bei Audible heruntergeladen (Ja, ich weiß, es ist ein wenig peinlich und ich konnte es auch nicht zu Ende hören, weil es genauso schlecht geschrieben ist wie „Shades of Grey“ und die Geschichte ja aber trotzdem dieselbe ist. Nicht empfehlenswert.), ich habe anschließend „Ein ganz neues Leben„, die Fortsetzung von „Ein ganzes halbes Jahr“ gehört (Ich hätte nie erwartet, dass die Fortsetzung so gut sein kann. Ich war sofort wieder in der Stimmung von „Ein ganzes halbes Jahr“ und habe mich unheimlich gefreut wieder an Louisas Leben „teilhaben“ zu dürfen. Die Kritiken sind geteilt und viele enttäuscht, aber ich bin zufrieden.) und eines der verrücktesten Bücher meines Lebens gelesen: „Nichts für Anfänger“ (Es ist wirklich nichts für Anfänger, denn es ist teilweise ziemlich hart und behandelt Themen wie Missbrauch an Kindern, Abtreibung und Krebs, um nur einige zu nennen. Dennoch ist es sehr gut geschrieben.) So. Nun kommen wir endlich mal zum Buch des Monats.

Verfasser, Titel und Verlag: Cynthia Hand, Die Unwahrscheinlichkeit des Glücks, Harper Collins

Wovon handelt das Buch? Alexis‘ Leben ist vielversprechend. Sie ist so hochbegabt, dass sie gute Chancen hat am MIT angenommen zu werden. Sie schafft es sogar, ihren Verstand so weit auszuschalten, dass sie sich in einen Jungen verlieben kann. Doch seitdem ihr Vater ihre Familie verlassen und mit seiner Sekretärin ein neues Leben begonnen hat, hat ihre Familie an Stabilität verloren. Und als ihr jüngerer Bruder Tyler sich das Leben nimmt, befürchtet Alexis, dass ihr Leben nie wieder gut sein kann. Dass alles, was mit Glück zusammenhängt, vorbei ist. Und dass sie Schuld ist an Tylers Tod.

Warum ist dies dein Buch des Monats? Selbstmord ist ein Thema, das ziemlich tabuisiert ist. Wenn sich der Mann einer Bekannten das Leben genommen hat, reden die Menschen darüber im Flüsterton und oft weiß man gar nicht, was man überhaupt dazu sagen soll. Man schluckt und schweigt. Es ist ein Thema, das wirklich an die Nieren geht. Es ist ein Tod, der meiner Meinung nach der schlimmste für die Angehörigen ist. Denn man kann keinem Unfall, keinem anderen und keiner (körperlichen) Krankheit die „Schuld“ geben. Es ist meistens ein plötzlicher Tod, der viele Fragen aufwirft, die einen das ganze Leben lang begleiten. Und es stellt sich wahrscheinlich auch immer die Frage, ob man selbst irgendeine Schuld daran hat, ob man den Menschen nicht irgendwie hätte „retten“ können. Zum Glück ist all das, was ich hier aufschreibe, nur eine Vermutung, denn ich selbst habe glücklicherweise noch niemanden durch Selbstmord verloren. Ich kenne Menschen, die das haben, aber ich habe sie noch nie darauf angesprochen.

Doch dafür gibt es Bücher. Bücher sind einfach wunderbar. Weil Menschen, die etwas erlebt haben, was andere Menschen nicht erlebt haben, es in Büchern niederschreiben können. Und wir als Leser verstehen können. Was hinter den Fassaden passiert, was Menschen, die soetwas erleben müssen, durchmachen. Natürlich können wir es nicht komplett nachfühlen (das wäre ehrlich gesagt auch furchtbar, es reicht ja, wenn der Betroffene selbst es fühlen muss), doch wir können daraus lernen.

„Die Unwahrscheinlichkeit des Glücks“ hat ein schweres Thema, doch dadurch, dass die Hauptfigur ein Teenager ist und sich trotzdem mit dem Alltag eines Teenagers auseinandersetzen muss, hat es eine gewisse Leichtigkeit. Das liebe ich an Jugendbüchern. Egal wie schwer das Thema ist, als Jugendbuch ist es meistens erträglich und gut lesbar. Trotzdem noch irgendwie unterhaltend.

Man spürt, dass Cynthia Hand nicht aus der Fantasie heraus schreibt. Dass sie es selbst erlebt hat. Und dass sie das mit uns teilt. Ich kann „Die Unwahrscheinlichkeit des Glücks“ wirklich empfehlen.

Zitiere einen Satz oder eine Passage aus dem Buch! „Ich werde ihn nie wiedersehen. Bei dem Gedanken geht das Loch in meiner Brust auf. Das passiert immer wieder, alle paar Tage seit der Beerdigung. Es fühlt sich an, als ob sich zwischen der dritten und vierten Rippe auf meiner linken Seite eine riesige, klaffende Lücke öffnet, ein Leerraum, durch den man den Plastiksitzbezug hinter meinen Schulterblättern sehen kann. Es tut weh, und mein ganzer Körper verkrampft sich vor Schmerzen. Ich knirsche mit den Zähnen und balle die Fäuste, und die Luft bleibt in meinen Lungen stecken. Ich fühle mich immer, als ob ich gleich sterben müsste, wenn das passiert. Als würde ich sterben.“

Definitiv etwas für Fans von: Das Schicksal ist ein mieser Verräter„, „Finding Audrey“ & „Die Einsamkeit der Primzahlen

„Die Unwahrscheinlichkeit des Glücks“ wurde mir von Blogg dein Buch zur Verfügung gestellt.