Mit dem Nachtzug durch Thailand

Nachtzug_Thailand (5 von 12)„Ich will unbedingt mit dem Nachtzug fahren!“, teilte mir Stefan entschlossen während unserer Reisevorbereitungen für Thailand mit. „Wir fahren dann einfach gleich von Bangkok nach Phuket. Wir fahren 1. Klasse, das ist dann komfortabel.“ Äh ok. Warum auch nicht. Doch leichte Bedenken hatte ich ehrlich gesagt schon. Ich dachte, dass wir uns nach einer 17,5-stündigen Anreise bestimmt etwas erschlagen fühlen würden und dass so ein Abenteuer wie ein Nachtzug vielleicht eher am Ende der Reise angemessen wäre. Doch Stefans Augen leuchteten förmlich bei dem Gedanken an den Nachtzug, also ließ ich ihn den Nachtzug in Thailand über das Internet buchen.

Als wir nach unserem Flug mit Transaero in Bangkok ankamen, waren wir natürlich ein bisschen erschlagen, aber vor allem waren wir total aufgeregt und neugierig. Wir wollten schnellstmöglich aus dem Flughafen heraus und unbedingt thailändische Luft schnuppern. Und wir waren gespannt, wie das Klima denn nun wirklich ist. Ob es uns sofort erschlägt. Also suchten wir uns schnellstmöglich ein Taxi, was aber gar nicht so einfach war, weil man am Bangkoker Flughafen Nummern für Taxis ziehen muss und wir davon keine Ahnung hatten. Doch auch wir bekamen das auf die Reihe, verabschiedeten uns von Stef und Flo, die wir ja auf dem Moskauer Flughafen kennengelernt hatten und fuhren in Richtung Bahnhof. Dabei bewunderten wir die hübsch geschmückte Autobahn und die riesigen (wirklich RIESIGEN) Werbeplakate Bangkoks. Wir sahen erste Tuk Tuks und ich freute mich schon darauf, diese so ganz andere Stadt vor unserer Abreise kennenzulernen.

Der Taxifahrer, der einen thailändischen Radiosender im Taxi laufen hatte, der eher nach Kinderradio klang, ließ uns am Hauptbahnhof Bangkoks, dem Bahnhof Hua Lamphong, raus. Im Bahnhofsgebäude, das von einem italienischen Architekten errichtet wurde und wirklich wunderschön ist, strömten erst einmal verschiedenste Gerüche auf uns ein. Wir schwitzten, da das Klima noch ungewohnt, aber (zumindest zu diesem Zeitpunkt) nicht unangenehm war und hatten Hunger. Stefan beschloss, sich schleunigst umzuziehen und stellte mich in der Bahnhofshalle ab. Kein Problem für mich, denn die Bahnhofshalle ist besser als jedes Fernsehen. Mal abgesehen davon, dass dort zusätzlich ein riesiger Flatscreen hängt, auf dem lustige Werbeclips und Filme über die Königsfamilie laufen. Der Königsfamilie wird außerdem im Bahnhof noch mit riesigen Schreinen geehrt. Der Bahnhof ist bunt und wuselig und ich war sofort verliebt. Die buddhistischen Mönche hatten ihren eigenen, abgetrennten Wartebereich und bildeten somit einen orange leuchtenden Punkt in der Halle.

Bahnhof Hua Lamphong Bangkok

Stefan kam zwar nicht umgezogen wieder, weil die Toilette, in der er sich umziehen wollte, sich draußen vor der Vorhalle befand und mit draußen meine ich auch draußen. Und da er die Thais nicht gleich mit seinem halbnackten Körper erschrecken wollte, verschob er sein Umstyling in den Nachtzug. Also beschlossen wir, unser erstes richtiges thailändisches Essen zu uns zu nehmen und steuerten samt unserer Koffer auf den Food Court im Bahnhof zu. Als erstes Essen wählten wir unser (zu diesem Zeitpunkt) liebstes thailändisches Essen: Phad Thai. Für knapp 2 Euro pro Person bekamen wir ganz gutes Phad Thai (wir bekamen auf unserer Reise mehrfach viel Besseres, aber es war nicht schlecht) und lustige, viel zu süße Getränke. Im Food Court wuselten übrigens einige Katzen herum. In Deutschland undenkbar und wahrscheinlich auch nicht sonderlich hygienisch. Aber mich störte es nicht und ich freute mich über die tierischen Gäste, da ich Susi schon stark vermisste.

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Danach machten wir es uns in der Wartehalle bequem. Stefan besorgte uns zwei Espressi mit Crushed Ice, von diesem Moment an mein Lieblingsgetränk in Thailand, und während ich wartete, boten mir die thailändischen Jungs, die etwa 16 waren und vor mir saßen, ihr gerade gekauftes Obst an. Ich war so perplex, dass ich spontan ablehnte. Ich kann den Jungs doch nicht ihr Obst wegessen. Ich hoffe sehr, dass ich sie nicht vor den Kopf gestoßen habe. Doch als wir uns später zum Zug bewegten und ich mich von ihnen verabschiedete, wirkten sie nicht beleidigt. Ich verliebte mich sofort in die thailändische Mentalität.

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Der lilafarbene Zug in den Süden stand bereits eine Stunde vor Abfahrt auf dem dem Gleis. Das nenn ich mal pünktlich. Wir stiegen also schon ein und fanden auch schnell unser First Class-Abteil. Zunächst waren wir etwas ernüchtert. Man sollte bei thailändischer erster Klasse niemals an deutsche erste Klasse denken. Denn der Zug war nicht der neueste und somit auch nicht die Einrichtung. Doch es war vollkommen ok und irgendwie auch total cool. Ich hatte noch nie ein eigenes Abteil in einem Zug. Denn obwohl das Abteil winzig war (nachdem wir unsere Koffer hineingequetscht hatten, war das Abteil voll), es war für uns beide ganz allein. Echt cool.

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Das Abteil bestand aus einer braunen Lederbank, einem kleinen Tisch, einem kleinen Waschbecken und kleinen Ablagen. Alles klein. Besonders hübsch war auch der rosafarbene Vorhang. 😉 Gegenüber unserer Sitzbank befand sich eine (Überraschung!) kleine Tür. In unserer Naivität vermuteten wir dahinter natürlich unsere eigene Toilette. Aber wir stellten schnell fest, dass dort einfach nur das nächste Abteil war. Doch wir waren nicht allein mit unserer Vermutung. Als wenige Minuten später unsere „Nachbarn“ eintrafen, versuchten auch diese mit aller Macht die Tür zu öffnen und erschraken, als wir sie öffneten und Stefan sagte: „No, this is not the toilet.“ Aber dann lachten wir alle.

Verhungern tut man im Nachtzug in Thailand auch nicht. Wir bekamen kurz nachdem es losging eine Speisekarte und ein Mann lief direkt mit Essen in Plastikboxen herum. Wir waren aber noch satt vom Phad Thai. Doch kommen wir zurück zu den Toiletten. Diese sind das einzige größere Hindernis des thailändischen Nachtzugs, denn die sind wirklich gewöhnungsbedürftig. Es gibt keine richtige Toilette, sondern nur ein Loch, das auch noch erhöht ist. Pipimachen bei fahrendem, wackelnden Zug ist da schon eine kleine Herausforderung.

Gegen 17 Uhr fuhren wir los und da in Thailand gegen 18:30 die Sonne untergeht, konnten wir noch einiges draußen sehen. Spielende Kinder, nicht sonderlich stabil wirkende Behausungen und provisorische Wäscheleinen. Ich hätte stundenlang aus dem Fenster gucken können. Doch spätestens als es dunkel wurde, wurde ich richtig müde. Stefan probierte, unsere Sitzbank in Betten umzubauen, doch er scheiterte beziehungsweise fand erst gar keinen Anfang. Der Schaffner baute unser kleines Abteil innerhalb von 5 Minuten um und wir erkannten es kaum wieder. Plötzlich hatten wir ein Doppelstockbett und sogar frisches Bettzeug! Ich war total begeistert!

Nachtzug_Thailand (9 von 12) Nachtzug_Thailand (10 von 12) Nachtzug Thailand Nachtzug_Thailand (12 von 12)Ich bin vorher übrigens noch nie Nachtzug gefahren und als ich da so lag und es so lustig ruckelte, wollte ich am liebsten nie wieder anders reisen. Doch es gab auch ein paar Nachteile, die mich dann leider nur wenige Stunden (aber immerhin!) schlafen ließen. Die Klimaanlage war nicht regulierbar (das soll aber nicht immer so sein) und deshalb war es schweinekalt im Abteil, wie ihr an meiner Kleidung sehen könnt. Deshalb wurden die Halsschmerzen, die ich mir im Flugzeug eingefangen hatte, immer schlimmer. Außerdem war es relativ laut, weil es in unserem Abteil ständig irgendwo laut quietschte. Dennoch würde ich es sofort nochmal machen. Vielleicht nicht unbedingt am Anfang der Reise, wenn man noch einen Schlafdefizit hat. Gekostet hat der Nachtzug durch Thailand übrigens knapp 35 Euro pro Person und gefahren sind wir theoretisch 11 Stunden, praktisch 12.

Denn um 4 Uhr morgens war unsere Nacht schon wieder vorbei, denn dann wären wir eigentlich in Surat Thani gewesen, wo wir in den Bus umsteigen mussten. Doch als wir und unsere Nachbarn aussteigen wollte, sprang der schlafende Schaffner auf und hielt uns in seinem Schlafoutfit davon ab. So etwas wie Durchsagen gibt es nämlich nicht und auch keine andere Orientierung als Uhrzeit und Schaffner. Nachdem er uns vom Aussteigen abgehalten hatte, legte sich der Schaffner übrigens einfach wieder schlafen, ohne uns mitzuteilen, wie lange wir denn noch fahren würden. Nach 45 Minuten stand er wieder auf und dann durften wir endlich aussteigen. Vorbei war unsere lustige Nachtzugfahrt durch Thailand.

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Kommentare

  • Larissa

    Lustig, wie viele gleiche Dinge gemacht haben! Wir sind damals auch mit dem Nachtzug von Bangkok nach Surat Thani gefahren und ich fand es anfangs ganz witzig, konnte aber dann fast gar nicht schlafen, weil ich ständig Angst hatte, wir entgleisen! So doll schwankte der Zug! Und gefroren habe ich auch die ganze Nacht… Hinzu kam noch, dass wir von Anfang an mit ca. drei Stunden Verspätung losgefahren sind, sodass wir überhaupt nicht mehr wussten, wann wir wo ankamen. Vorsichtshalber hatten wir uns dann einen Wecker gestellt und waren natürlich viel zu früh fertig. Wir wollten uns aber nicht auf die Zusicherung des Schaffners verlassen, der uns (gegen Trinkgeld natürlich) rechtzeitig wecken wollte. War auch gut so, im Endeffekt hätten wir dann noch ganze fünf Minuten gehabt!

    Ach ja, die Thailänder 😉

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