6 Monate Fair Fashion & Second Hand – Die Auswertung

Erinnert ihr euch noch an unseren großen Selbstversuch für die erste Jahreshälfte? Von Januar bis Juni haben wir versucht, nur Fair Fashion und Second Hand Mode zu kaufen. Heute wollen wir euch nun endlich berichten, wie es lief und wie sich unser Kaufverhalten nun, fast drei Monate nach Ende des Selbstversuchs, geändert hat.

Unsere Erfahrungen mit Fair Fashion

Patricia: Ein Ziel dieses Projektes war es für mich, mich mehr mit Fair Fashion zu beschäftigen und neue Marken zu entdecken. Das hab ich definitiv getan und gern schreibe ich nochmal einen separaten Blogartikel mit unseren Lieblingsmarken. Allerdings muss ich ganz ehrlich sagen, dass wir mehr Second Hand als Fair Fashion gekauft haben. Einige, die sehr viel stärker in der Thematik stecken als wir, würden jetzt vielleicht den Zeigefinger heben. Denn eine Leserin schrieb mir diese Woche auf Instagram, dass sie gelesen hat, Second Hand zu kaufen sei nicht der richtige Ansatz. Denn indem man Fast Fashion Second Hand kauft, gibt man den Fast Fashion Käufern neues Geld, um mehr Fast Fashion zu kaufen. Und im Prinzip ist da natürlich was dran. Doch ich muss leider sagen, dass Fair Fashion 1. wirklich nicht sehr günstig ist und (was fast noch wesentlicher ist), noch nicht zu 100% meinen Modegeschmack trifft. Natürlich gibt es tolle Fair Fashion Sachen, aber manchmal möchte ich eben doch ein Zara-Teil mit gestickten Blumen und das gibt es so (noch) nicht Fair Fashion.

Was ich aber auch festgestellt habe: Die Fair Fashion Sachen haben für mich einen höheren Wert. Irgendwie fühlen sie sich für mich hochwertiger an als die Second Hand Teile, die ich gekauft habe. Ich habe mir beispielsweise im Februar eine Fair Fashion Tasche von Nine to Five gekauft. Ich habe dafür lange recherchiert und euch ja auch an meiner Suche teilhaben lassen. Und da die Tasche einfach mal 126 Euro gekostet hat und für mich damit die bisher teuerste war, die ich jemals gekauft habe, habe ich wirklich wert darauf gelegt, dass sie perfekt zu mir, meiner Kleidung und meinen Bedürfnissen passt und sie auch probegetragen. Und jetzt, über ein halbes Jahr später, bin ich immer noch super happy mit meiner Wahl und benutze sie fast täglich.

Ebenfalls im Februar haben wir ja Valentina und Family in Hessen besucht und waren gemeinsam im Hessnatur Store. Dort habe ich mir auch Unterwäsche, ein Oberteil und Unterziehtops gekauft. Das Oberteil war jedoch leider ein Fehlkauf. Hier habe ich vorher nicht genug nachgedacht, denn eigentlich passen Schnitt und Farbe nicht sehr gut in meine Garderobe. Deshalb werde ich es wieder verkaufen. Tut ein bisschen weh, aber man lernt aus seinen Fehlern. Absolut happy bin ich aber immer noch mit den Teilen, die ich durch zwei Hessnatur-Kooperationen bekommen habe. Einmal die Jeans-Culotte, die ich wirklich schon sehr oft getragen habe, und einmal das Maxi-Kleid, das mein Sommerkleid Nummer eins ist.

Kalyves Kreta

Mein Sommerkleid von Hessnatur

Zu Ostern gab es für Marlena dann noch ein Fair Fashion Kleid und auch im Hessnatur Store haben wir einiges für sie gekauft. Auch bei ihr versuche ich, immer wieder Fair Fashion zu kaufen, aber der Großteil ist auch wegen des Preises Second Hand.

Und last but not least durften wir noch Organic Basics testen und nach wie vor liebe ich meinen BH. Leider scheint er aber tatsächlich nicht für alle Brüste geeignet zu sein (wie bei jedem anderen BH wahrscheinlich auch), denn zwei Frauen haben mir schon gesagt, dass er bei ihnen nicht gut saß. Ich bin aber noch total zufrieden.

Mein BH von Organic Basics

Stefan: Wenn Patricia davon spricht, dass wir mehr Second Hand als Fair Fashion gekauft haben, meint sie eher Marlena und sich. Denn der Papa kann definitiv behaupten, das halbe Jahr so richtig im Fair-Fashion-Land verbracht zu haben. Denn eigentlich habe ich das halbe Jahr fast mit einem einzigen riesigen Einkauf abgefrühstückt. Denn wie schon von Patricia erwähnt, waren wir im Februar beim Valentinschän und der Familia in good old Hääsche. Und dann habe ich im Hessnatur Store Pullover, 4 Shirts und 2 Hosen gekauft. Zum Glück konnte ich mich dann doch noch zügeln und nicht noch Übergangsjacke und…und…kaufen. Damit und meinem schon bestehenden Kleiderschrankfundus, hatte ich mir dann vorgenommen, das halbe Jahr zu überstehen.

T-Shirt und Hose von Hessnatur

Unsere Erfahrungen mit Second Hand

Patricia: Wie ich schon erwähnt habe, habe ich vorwiegend Second Hand geshoppt. Ich finde eben, dass ja schon genügend Kleidung auf diesem Planeten vorhanden ist und da muss doch nicht noch viel mehr produziert werden. Andererseits soll natürlich auch die Wirtschaft gestärkt werden und deshalb mische ich beides gern. Gekauft habe ich nach wie vor fast alles bei Kleider- und Mamikreisel. Allerdings habe ich es auch nochmal mit Second Hand Läden probiert. Doch ich war mehr als enttäuscht, denn ich muss ehrlich zugeben, dass man der Kleidung, die dort hängt oder liegt, auch ansieht, dass sie schon sehr viele Jahre auf dem Buckel hat. Und dass nicht nur wegen Abnutzungserscheinungen. Sie sieht einfach nicht mehr modisch aus. Und dafür zahlt man dann nicht einmal so wenig. Da fahre ich mit Kleider- und Mamikreisel besser. Damit ich Porto spare und durch weniger Versand die Umwelt schone, versuche ich immer Verkäufer zu finden, die mehrere schöne Teile haben. Besonders bei Kinderkleidung. Und ich schicke meinen Mutti-Nachbarinnen seit Neuestem auch einen Link zum Profil des Verkäufers und kürzlich hat meine Nachbarin Sophia so auch ein Kleid für ihre Tochter mitbestellt. Außerdem waren wir auch auf zwei Flohmärkten und dort habe ich auch einiges gefunden.

Dieser Badeanzug war Liebe auf den ersten Blick bei Kleiderkreisel

Ich hatte übrigens wieder überwiegend Glück mit meinen Second Hand Käufen. Ich glaube, zwei oder drei Teile haben nicht gepasst, die verkaufe ich nun weiter. Ansonsten habe ich aber dank Kleiderkreisel so einige neue Lieblingsteile in meinem Kleiderschrank.

Bedürfnisorientierte Erziehung

Stefans Mantel ist von Hessnatur genau wie Marlenas Jacke und Mütze und mein Mantel ist von Kleiderkreisel

Marlenas Outfit ist komplett Second Hand

Stefan: Da Patricia immer so viel Glück mit dem Second-Hand-Shoppen hat, habe ich mich auch einmal aufgerafft und bei Kleiderkreisel nach Shirts geschaut. Natürlich dann auch mehrere bestellt, doch die Ausbeute war, sagen wir mal, verhalten. Von glaube ich 6 Stück, habe ich 2 behalten. Denn eines hatte überall Flecken, zwei irgendwo kleine Löcher und das letzte passte gar nicht, obwohl es angeblich von der Größe stimmen sollte. Was mich aber am meisten an Second Hand stört, ist, dass man ja trotzdem noch Fast Fashion shoppt, also oft qualitativ minderwertige Kleidung. Durch den oft hohen synthetischen Anteil in diesen, fangen diese dann nach kürzester Zeit an zu stinken. Welcher Mann kennt das nicht? Früher dachte ich immer, wie kann ich denn schon so schnell an den Achseln riechen, bis ich auf die Idee kam, mal das Shirt auszuziehen und et voilà – nichts riecht mehr. Bei den nachhaltigen Sachen habe ich dieses Problem nicht.

Mein T-Shirt ist von Kleiderkreisel und Patricias Sachen auch

Welche Herausforderungen gab es?

Patricia: Eigentlich hielten sich die Herausforderungen in Grenzen. Einmal musste ich “schummeln”, weil ich kurzfristig solche “Ballerina-Söckchen” brauchte. Die wollte ich nun nicht gebraucht kaufen und es gibt zwar welche, die fair produziert werden, aber da hätte ich früher bestellen müssen. Eine weitere Herausforderung waren Strumpfhosen. Allerdings sind die so oder so gefühlt für jede Frau eine Herausforderung, wie ich bisher so mitbekommen habe. Egal ob Fair Fashion oder nicht. Denn ich habe auch im Fast Fashion Segment bisher noch keine gefunden, mit der ich richtig happy war. Entweder sie gehen super schnell kaputt, leiern aus oder rutschen dir im Schritt bis zu den Knien. Ich habe in dem halben Jahr meine alten Strumpfhosen aufgetragen und mir zwei Paar bei Hessnatur gekauft. Aber leider kann ich die auch nicht weiterempfehlen. Also falls ihr Tipps habt, gern her damit.

Stefan: Leider musste auch ich einmal das Projekt aussetzen, denn am Tag einer Hochzeit ist mir aufgefallen, dass ich meine weißen T-Shirts zum Unterziehen unter das Hemd zu Hause vergessen habe (bei 28 Grad im Anzug einfach ein Muss 😀 ) und so musste schnell ein Neues her. Was mich am Fair Fashion Shopping sehr gestört hat, war die Einsicht, dass egal wie gut und natürlich der Stoff ist, wenn das Schusselchen Stefan wieder einmal irgendwo hängenbleibt, dann ist auch dieser Stoff kaputt. Und wenn der Preis dann sehr hoch war oder besser gesagt der Qualität des Stoffes + andere Faktoren (faire Bezahlung der Arbeiter, nachhaltiger und biologischer Stoff, etc.) angemessen, dann tut das schon mehr weh.

Haben wir weniger gekauft als sonst?

Patricia: Ich habe gerade mal durchgezählt. Ich habe in den 6 Monaten für mich 13 Teile gekauft. Eine Fair Fashion Hose, eine Fair Fashion Tasche, ein Fair Fashion Kleid und Second Hand einen Wintermantel, fünf Oberteile, ein Badeanzug und eine Tasche. Dazu kommt noch die Unterwäsche. Ich finde das weder viel noch wenig. Aber ich habe alles mit gutem Gewissen gekauft und jedes Teil gezielt gesucht und nicht wahllos in den Warenkorb gepackt, weil es mich optisch angesprochen hat. Ich habe jedes Teil davon in dem halben Jahr “geschleppt”. Es war kein Fehlkauf dabei. Also finde ich das doch ein ziemlich befriedigenden Ergebnis.

Kalyves Kreta

T-Shirt von Kleiderkreisel, Jacke auch (aber schon aus dem letzten Jahr), Culotte von Hessnatur und Tasche von Kleiderkreisel. 

Stefan: Halleluja, absolut! Gerade nach unserem Marie-Kondo-Marathon-Ausmisten im Winter, habe ich gemerkt, wie viel der Sachen ich wirklich gern anziehe. Denn einerseits liebe ich es schick herumzulaufen, trage enganliegende Sachen. Doch wenn es nur zwickt, fühle ich mich nicht wohl. Und das Allerschlimmste – wenn der Rücken bei einem Shirt oder Pullover hinten rausguckt und man nur mit dem Rumzippeln beschäftigt ist. Daher habe ich mich unendlich reduziert und fühle mich super damit!

Wie hat sich unser Kaufverhalten seit dem Projekt verändert?

Patricia: Drei Monate sind um und nun interessiert euch sicher, ob wir einen Tag nach Ende des Projektes direkt eine Großbestellung bei H&M aufgegeben haben. Aber tatsächlich haben wir das Ende des Projektes metaphorisch gesehen verschlafen. Erst Tage später fiel uns auf, dass wir ja jetzt theoretisch die Fast-Fashion-Sau rauslassen könnten. Aber dieses Bedürfnis war einfach nicht da. Was jedoch nicht bedeutet, dass das Bedürfnis nach Shopping und neuen Teilen im Kleiderschrank nicht mehr da ist. Ich habe etwa 2-3 Mal im Jahr so einen kleinen Shoppingrausch. Üblicherweise ein bis zwei Monate, bevor eine neue Saison beginnt. Also war es im August wieder soweit, ich hatte das Bedürfnis, mir ein paar Teile für den Herbst zu kaufen. Und die habe ich wie ganz selbstverständlich bei Kleiderkreisel gekauft. Ein Teil nicht-nachhaltiges Teil habe ich jedoch gekauft seit Ende des Projektes. Ich hatte mir in den Kopf gesetzt, Schnürschuhe im Budapester-Style aus Veloursleder zu kaufen. Ich habe leider nach längerer Recherche keine nachhaltigen oder gebrauchten gefunden (mit Schuhgröße 42 nicht immer so easy peasy) und da ich noch einen Zalando-Gutschein von meinem Geburtstag letztes Jahr hatte und dort mein Traumpaar gefunden habe, hab ich zugeschlagen. Doch ich weiß, dass solche Käufe von nun an Ausnahmen bleiben. Denn ich kann nicht mehr guten Gewissens Fast Fashion shoppen. Und ich brauche es auch nicht, denn die Auswahl an Fair Fashion und Second Hand Mode ist groß genug. Und zu Zeiten von Mamikreisel kann man sein Kind problemlos Second Hand anziehen, ohne Angst zu haben, dass man das sieht.

Stefan: Ganz ehrlich habe ich wirklich gerade keine Ambitionen zu meinem alten Verhalten zurückzukehren. Ich suche jetzt auch wenn ich nach Kleidung schaue oder schauen muss, immer erst, ob es da etwas Faires gibt. Gerade bin ich zum Beispiel immer noch auf der Suche nach Sportkleidung. Denn das muss man wirklich sagen, was die Designs betrifft und Schnitte, da stecken noch viele in den Kinderschuhen. Bei den Sportsachen hört es, wenn man nicht gerade Yogaleggings (nicht meine eigene Aussage sondern Fakt 😛 ) braucht, Probleme etwas Schönes zu finden. Gerade als Mann.  Nicht jeder möchte z.B. nur weite Sachen tragen, denn da kann ich ja auch nach nem fair produzierten Kartoffelsack suchen 😀 . Wenn ihr Marken kennt, überzeugt mich gern, ich freu mich!

Kommentare

  • Janett

    Hallo, ich habe euren Blog erst heute entdeckt – gefällt mir super. 🙂
    Das Thema Fair Fashion war ausschlaggebend dafür, dass ich auf Euch gestoßen bin – spannendes Projekt, 6 Monate das durchzuziehen. Und schön, dass es Teil Eures neuen Konsum-Lebens geworden ist.
    In solch einem Projekt stecke ich auch gerade …samt Family. 🙂

    Und in der Tat ist es schwierig, abgesehen von Yoga-Sachen, coole und funktionelle Sportkleidung zu finden – da wir auch eine Sportfamilie sind, suche ich auch gerade… deshalb wollte ich Euch einen Link senden, der eine erste Orientierung zumindest mir gibt.
    https://utopia.de/ratgeber/nachhaltige-sportkleidung/

    Vielleicht ist auch etwas Interessantes für Euch dabei, ich finde die Utopia-Betrachtungen immer sehr aufschlussreich

    Viele Grüße und alles Liebe für Eure ganze Family, Janett.

    • Patricia

      Liebe Janett,
      vielen lieben Dank für deinen Kommentar und deinen Link-Tipp. Da werde ich gern mal nachlesen.
      Liebe Grüße
      Patricia

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert