Warum wir uns eine Hausgeburt wünschen und wie wir uns darauf vorbereiten

Hausgeburt Vorbereitung

Hausgeburt Vorbereitung

Patricia: Was früher das Normalste der Welt war, ist heute wirklich selten – eine Hausgeburt. Als in mir der Wunsch nach einer Hausgeburt aufkam, dachte ich, dass sehr viele Frauen sich Hausgeburten wünschen, schließlich ist es ziemlich schwer, eine Hebamme dafür zu bekommen. Doch tatsächlich finden verschwindende 2% der Geburten außerklinisch statt – das heißt, dort sind auch Geburten im Geburtshaus mit inbegriffen. Der Grund dafür ist wahrscheinlich, dass sich die meisten Frauen im Krankenhaus sicherer fühlen. Doch wenn man einmal in die Thematik Geburt eintaucht und sich beliest, merkt man recht schnell, dass es gar nicht so ist. Doch dazu später. Lasst mich erstmal erklären, wie ich überhaupt auf die Idee kam, mir eine Hausgeburt zu wünschen.

Doch bevor es richtig losgeht, möchte ich unbedingt noch auf die neue Podcastfolge hinweisen, die parallel online gegangen ist. In dieser gibt es nämlich nochmal eine andere Sicht auf das Thema Hausgeburt. Hebamme Ann-Katrin von Naturgeburt hat angeboten, eure und meine Fragen nochmal aus Expertensicht zu beantworten. Und das Interview ist damit eine wunderbare Ergänzung zu diesem Blogartikel hier geworden. Also hört doch gern mal rein!

Wie kamen wir auf die Idee, eine Hausgeburt zu planen?

Patricia: Ihr könnt euch sicherlich denken, dass die Idee für eine Hausgeburt von mir stammt. Es war nicht so, dass Stefan eines schönen Morgens um die Ecke kam und sagte: „Mensch, wollen wir vielleicht diesmal eine Hausgeburt ausprobieren?“ Die Basis für meinen Wunsch liegt wahrscheinlich darin begründet, dass ich allgemein Neuem und ich sage mal Außergewöhnlichem gegenüber recht aufgeschlossen bin. Ich bin nicht so ein rebellischer Typ, der unbedingt immer alles anders machen will als andere, nee. Das war ich nichtmal als Teenager. Außer dass ich schon damals Musik gehört habe, die damals in meiner Generation nicht unbedingt typisch war (wir reden u.a. von Herbert Grönemeyer, Roxette, Abba und Elton John). Aber ich war spirituellen Themen gegenüber aufgeschlossen, habe verschiedene Sachen ausprobiert und das hat sich nie geändert.

Als ich mit Marlena schwanger wurde, musste ich mich erstmal einige Wochen mit dem Fakt an sich auseinandersetzen, bevor ich überlegen konnte, wo ich denn entbinden möchte. Und als ich dann zu dem Schluss kam, dass ich gern in ein Geburtshaus gehen würde, war der Zug bereits abgefahren. Ich bekam keinen Platz mehr. (Wenn ihr euch übrigens für eine Geburt im Geburtshaus interessiert, kann ich euch diese Podcastfolge unseres Podcasts Muddiklatsch ans Herz legen.) An eine Hausgeburt dachte ich damals noch nicht, hätte aber vermutlich auch keine Beleghebamme mehr bekommen. Es wurde also eine Krankenhausgeburt. Und die war auch wirklich schön. Falls sich jemand diesen Roman antun möchte, hier sind Teil 1, Teil 2 und Teil 3.

In Kurzfassung: Die Geburt begann mit einem Blasensprung gegen 23:30, daraufhin setzten sofort Wehen im 5-Minuten-Takt ein und wir fuhren ins Krankenhaus. Wir erwischten eine Hebamme, die wir bereits vom CTG kannten und die uns sehr sympathisch war und von der ich mich auch sehr gut betreut fühlte. Jedoch störte mich damals, dass ich auf dem Bett und dauerhaft ans CTG angeschlossen bleiben sollte. Und auch, dass die Ärztin, die am Ende der Geburt dazukam, recht schnell die Schere in der Hand hatte und schneiden wollte, fand ich nicht toll. Denn a) hatte ich im Vorgespräch gesagt, dass ich nicht möchte, dass geschnitten wird und b) bin ich nicht gerissen. Es wäre als ein Dammschnitt vorgenommen worden, der unnötig gewesen wäre. Zum Glück hat die Hebamme die Ärztin gebeten, noch eine Wehe abzuwarten und ich gab alles…

Etwa ein Jahr nach Marlenas Geburt begann ich die Serie „Call a midwife“ zu schauen. Eine Serie über Londoner Hebammen in den 50er Jahren. Während zu dieser Zeit in Deutschland Klinikgeburten bereits der Standard waren, hielten die Engländer weiterhin an Hausgeburten fest. Zumindest in den ersten Staffeln der Serie. 😉 Durch die Serie bekam ich erstmals einen richtigen Eindruck von Hausgeburten. Und auch wenn es natürlich in fast jeder Folge irgendwelche Komplikationen gab (die Serie wäre sonst vermutlich zu langweilig), stieg mein Interesse an der Thematik. Außerdem hörte ich immer mal wieder von tollen Hausgeburten.

Als ich dann letzten Herbst wieder schwanger wurde, war mir klar, dass ich entweder ins Geburtshaus gehen möchte oder eine Hausgeburt plane. Mit dem positiven Schwangerschaftstest schrieb ich dem Geburtshaus meiner Wahl eine E-Mail und wenige Tage später hatte ich diesmal tatsächlich eine Beleghebamme. Ich konnte mich nun entscheiden, ob ich im Geburtshaus oder Zuhause entbinden möchte. Also begann ich, mich noch mehr mit der Thematik zu beschäftigen. Ich las über Hausgeburten, hörte in den Podcast „Die friedliche Geburt“ rein und Stück für Stück formierte sich mein Entschluss für eine Hausgeburt.

Stefan: „Ich überlege, ob wir dieses Mal eine Hausgeburt machen.“ Das war meine erste Berührung mit dem Thema Hausgeburt. Patricia knallt mir diesen Satz entgegen und ich wusste gar nicht, wie mir geschah. Im Gegensatz zu ihr hatte ich mich ja nicht schon seit Wochen mit dem Thema beschäftigt. Das musste ich erst einmal kurz verdauen. Doch zum Glück weiß Patricia, dass ich für die meisten Dinge offen bin. Ich bilde mir ungern eine Meinung zu Dingen, von denen ich keine Ahnung habe und so sprachen wir darüber und Patricia erklärte mir die meisten Dinge. Wie eine Hausgeburt ablaufen wird, was vorbereitet werden muss etc. Und da sie ja weiß, dass ich mich vor keiner Herausforderung sträube und ich auch weiß, dass Patricia bei manchen Sachen nicht von ihrer Entscheidung abrückt, ließ ich den Gedanken immer weiter in mir reifen. Ich war schnell dabei und so gab es eigentlich nicht viel Diskussionen im Nachhinein. Wir machen das!

Hausgeburt Vorbereitung

Macht ihr euch Gedanken über Komplikationen? Wie bereitet ihr euch darauf vor?

Patricia: Natürlich versuche ich positiv zu denken und Komplikationen gar nicht zu sehr zu fokussieren. Doch naiv bin ich natürlich nicht. Ich habe mich vorher ausführlich belesen, wie groß das Risiko für Komplikationen ist und das ist laut mehrerer Studien nicht größer als bei einer Geburt in einer Klinik. Außerdem hab ich (im Gegensatz zu den meisten Klinikgeburten) eine 1:1 Betreuung, sogar eine 2:1 Betreuung, da noch eine zweite Hebamme dazukommen wird. Beide Hebammen sind sehr erfahren und ich habe absolutes Vertrauen in die beiden. Hebammen gehen auch kein Risiko ein, sondern würden einen bei den kleinsten Anzeichen für Komplikationen ins Krankenhaus schicken. Und der Weg zum Krankenhaus ist wirklich nicht weit. Vorbereitet auf mögliche Komplikationen haben wir uns eben, indem wir verschiedene Szenarien mit der Hebamme durchgesprochen haben und ich habe auch ein Codewort für Stefan, falls ich das Gefühl haben sollte, dass irgendwas nicht stimmt und ich ins Krankenhaus möchte. Doch Angst habe ich wirklich derzeit überhaupt keine.

Stefan: Auch ich habe mir schon ein-, zweimal darüber Gedanken gemacht, wie das wohl ist, wenn Komplikationen auftreten. Doch ganz ehrlich, bisher läuft die Schwangerschaft super gut, keine ernsthaften Probleme bisher, auch die erste Schwangerschaft war für mein Empfinden (von außen betrachtet 😉 ) super gut.

Das Leben besteht daraus Risiken einzugehen und mit einer Hebamme, die das schon so oft bei Leuten zu Hause gemacht hat und einem Krankenhaus in 5-10 Minuten Laufnähe, wird das schon laufen. Ich bin ein großer Fan vom Gesetz der Anziehung und wenn ich an die Geburt hier bei uns denke, denke und empfinde ich nur positiv. Man muss auch einmal Vertrauen in die Dinge haben. Das haben wir meist und daher läuft es auch meist so, wie wir uns das vorstellen 😉 .

Wie ist das, wenn man in einem Mehrfamilienhaus wohnt? Kündigt ihr euren Nachbarn die Hausgeburt an?

Patricia: Wir wohnen in einem Mehrfamilienhaus, in dem wir die meisten Nachbarn gut kennen. Besonders gut kennen wir die Nachbarn über uns unter uns. Sie sind mittlerweile zu Freunden geworden. Tatsächlich war dieser Aspekt jedoch der, der mich zuletzt noch ein winziges bisschen abgehalten hat, bevor ich mich final für die Hausgeburt entschieden habe. Nicht, weil es mir vor unseren Nachbarn unangenehm gewesen wäre, sondern aus Angst, jemanden zu stören. Doch meine Hebamme meinte, dass sie es sehr selten erlebt hat, dass die Nachbarn etwas von einer Hausgeburt mitbekommen haben. Und wenn die Nachbarn was hören sollten, fiebern sie hoffentlich einfach mit. Ich bin mir sicher, dass ich während der Geburt so mit mir selbst beschäftigt bin, dass es mir total egal sein wird, ob ich jetzt töne oder nicht und ob das irgendjemand hört. Zudem ist unser Haus zum Glück auch echt nicht hellhörig.

Was machen wir mit Marlena und Susi?

Patricia: Viele Eltern entschließen sich ja, die Kinder an einer Hausgeburt teilhaben zu lassen. Und ich finde das auch durchaus ok. Auch meine Hebamme meinte, dass Kinder total fasziniert und interessiert sind und es für sie ganz natürlich ist. Mein Weg ist es jedoch nicht. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass ich mich komplett auf die Geburt konzentrieren kann, wenn Marlena hier rumspringt. Deshalb wird Stefan Marlena zu meiner Mama bringen, sobald es losgeht. Vielleicht ist sie aber auch gerade in der Kita. Wir werden sehen. Und auch Susi wird nicht dabei sein. Da Susi bei Fremden in der Wohnung immer wieder bellt, ist es keine Option.

Wie bereiten wir uns vor?

Patricia: Tatsächlich gibt es viel weniger vorzubereiten als gedacht. Meine Hebamme ist da wirklich anspruchslos. Wir haben alte Handtücher und Bettbezüge bereitgelegt, Handtücher für die Minikaiserin, TK Erbsen zum Kühlen, schwarze Mülltüten und meine Hebamme hat sich gewünscht, dass eine Wärmelampe am Wickeltisch steht. Wir haben diesen Heizlüfter* besorgt. Für den Notfall ist außerdem trotzdem die Kliniktasche gepackt und in der Küche hängt ein Geburtsplan mit allen To Do’s für Stefan, wenn es losgeht. Und das (für mich) Wichtigste steht auch bereit: Der Geburtspool. Man braucht natürlich nicht unbedingt einen für eine Hausgeburt. Doch ich bin ja eine totale Wasserratte und kann mir wirklich gut vorstellen, diesmal eine Wassergeburt zu haben.

Ansonsten bereiten wir uns vor, indem wir versuchen, die Bude derzeit möglichst sauber und ordentlich zu halten. Das ist eigentlich die größte Herausforderung. 😉

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