Tough Mudder – Der Erfahrungsbericht einer faulen Zuschauerin

Tough Mudder Berlin 2014Was gibt es an einem heißen Sommersonntag Ende Juli Besseres, als gut gebauten Jungs und Mädels dabei zuzusehen, wie sie durch den Schlamm robben und von vier Metern in ein Loch mit braunem Wasser springen? Hm, nicht viel. Ich gebe zu, ein weißer Sandstrand mit türkisfarbenem Meer, ein kleiner Cocktail und ein gutes Buch wären auch nicht schlecht gewesen, aber definitiv meine zweite Wahl hinter einem der Ereignisse meines Jahres – der Tough Mudder 2014 Berlin.

Für alle, die, genauso wie ich vor etwa einem halben Jahr, noch nie von Tough Mudder gehört haben, eine kurze Einweihung. Tough Mudder ist eine Art extremer Hindernislauf. Innerhalb von maximal 4 Stunden muss man zwischen 16-19 km laufen und dabei eine Menge Hindernisse bewältigen, die wirklich kein Sahneschlecken sind. Für mich ist das definitiv nichts, ich würde ja schon an den 18,5 km, die die Jungs laufen mussten, krepieren. Aber dann noch die Hindernisse – no way.

Wir waren also beim Tough Mudder 2014 Berlin am Start. Wir, das waren Stefan, sein Bruder und ein guter Freund als starke Matschige und Familie und Freundinnen zum Anfeuern. Der Spaß kostete die Jungs übrigens 125 Euro, wenn man sich ein halbes Jahr früher anmeldet, ist es um einiges günstiger. Als Zuschauer mussten wir auch Eintritt zahlen – 10 Euro pro Person. Das finde ich bereits leichte Abzocke, doch für einen Parkplatz im Nirgendwo 10 Euro zu verlangen, war dann wirklich übertrieben. Doch lassen wir das.

Das ganze Spektakel begann schon ziemlich spannend. Denn als sich die Startgruppe der Jungs am Startpunkt versammelte, gab es erstmal eine Einweisung voller Motivationsgeschrei, Parolen, Regeln und ganz viel Teamgeisteintrichterung. Wie meine Schwiegermutter so schön sagte: Es hatte was von einer Sekte. Doch wenn ich an der Stelle der Jungs gestanden hätte (was in diesem Leben nicht vorkommen wird), hätte ich das ziemlich gut gebrauchen können. Anhand der Stirnbänder kann man übrigens erkennen, wie oft jemand schon beim Tough Mudder am Start war und es gab tatsächlich solch Verrückte, die das Ganze schon mehr als 4 Mal mitgemacht haben.

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Wenn ich Verrückte sage, meine ich das zweideutig. Einerseits finde ich die Teilnehmer schon ein wenig verrückt (meine 3 Jungs natürlich am meisten). Denn 125 Euro für solch eine Qual auszugeben, bei der die Verletzungsgefahr auch noch ziemlich hoch ist (ihr hätte mal die Verträge lesen sollen, gruselig), ist schon ein wenig verrückt. Doch ich habe vollsten Respekt davor, so etwas zu schaffen, überhaupt anzutreten. Sich zu überwinden und an seine Grenzen zu gelangen und auch diese wiederum zu überwinden – dazu gehört wirklich eine Menge. Diese Menge besitze ich nun leider nicht, doch dafür feuere ich ja an und schieße fleißig Fotos. Sogar mit etwas Schlamm habe ich mich beschmieren lassen. Ha!

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Nachdem die Jungs dann nach den ganzen „Ufftas“ oder was sie da brüllen mussten, gestartet sind, mussten wir Zuschauer uns auch ganz schön ranhalten. Für uns gab es einen Zuschauerpfad, der jedoch teilweise der gleiche wie der der Teilnehmer war. Da musste man ein wenig aufpassen, dass man sie nicht behindert. Man kann als Zuschauer jedoch nur bei einigen ausgewählten Hindernissen zuschauen und muss sich wirklich sehr ranhalten, damit man seine eigenen Jungs und Mädels dabei sehen kann. Wir erwischten sie noch an dem ersten richtigen Hindernis, einer kleinen Rampe, doch leider konnten wir nicht sehen, wie sie durch 0 Grad kaltes Wasser schwimmen mussten.

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Als nächstes liefen wir eine längere Strecke, um sie bei einem der optischen Highlights des Tages zu beobachten, dem Schlammrobben. Das war wirklich lustig anzusehen. Aber seht doch selbst.

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Wie ihr seht, waren meine Jungs nicht übermotiviert und haben sogar noch für ein Foto posiert. Es ist auch wirklich, dass man beim Tough Mudder als Team arbeitet, auch mit fremden Mitstreitern. Das konnten wir mehrmals beobachten, besonders an der Halfpipe, doch dazu später mehr.

Nach dem Schlammspektakel beschlossen wir Zuschauer-Team, dass wir den Jungs nicht hinterherlaufen würden, weil die Wahrscheinlichkeit, dass man sie an den anderen Hindernissen erwischen würde (das waren glaub ich 2 oder 3) sehr gering war. Außerdem waren es an dem Tag 34 Grad und wir hatten nicht den gleichen Adrenalinpegel wie unsere Jungs. Damit wir sie an der äußerst spannenden Sprungstation, die gleich hinter der Matschstation war, nicht verpassen, warteten wir also knapp 1,5 Stunden im Schatten. Als die Jungs dort wieder ankamen, sahen sie doch deutlich fertiger aus als vorher – kein Wunder. Aber sie waren vollständig, unverletzt und lachten. Ihr glaubt nicht, wie erleichtert wir darüber waren.

An der Sprungstation musste man dann also vier Meter tief in dieses braune Wasser springen, das ihr da seht. Schon das wäre für mich Angsthase der Horror gewesen und es gab auch einen Teilnehmer, den wir als Publikum anfeuern mussten, damit er springt. Doch auch er hat es geschafft. Stefans Bruder meinte übrigens im Nachhinein, dass das das sauberste Wasser des ganzen Tages gewesen wäre. Aber keine Angst, das hat er vor dem Duschen gesagt. 😉

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Anschließend gab es natürlich nochmal Liegestützen und Schlammgewälze (sie waren schließlich schon wieder zu sauber) und dann folgten wir ihnen zu den letzten Stationen. Dabei liefen wir den gleichen Weg und mussten teilweise auch rennen, damit wir rechtzeitig am Hindernis waren.

Als nächstes standen kleine Hügel auf dem Plan, die es zu überwinden galt. Sieht nicht so dramatisch aus, aber in dem Zustand der Teilnehmer kann so ein kleiner Hügel in Kombination mit wenig Konzentration schonmal gefährlich werden. Ich hab einige böse aufkommen und ausrutschen sehen.

Tough Mudder Berlin 2014 (23 von 31) Tough Mudder Berlin 2014 (24 von 31) Darauf folgte dann das wohl schwerste Hindernis des Tages – die Halfpipe von der ich vorhin schon gesprochen habe. Stefan schaffte es im zweiten Anlauf und aus eigener Kraft und half dann seinem Bruder und Freund. Die Halfpipe ist übrigens mit Schlamm und Fett überzogen, was es natürlich noch schwerer macht, sie hochzukommen. Doch alle drei Jungs haben es geschafft und wir waren stolz wie nie.

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Als Abschluss hatten sich die Tough Mudder Veranstalter noch etwas besonders Schönes ausgedacht – einen Vorhang aus Drähten. Mit letzter Kraft bin ich hinter Stefan hergerannt, damit ich ihn noch fotografieren kann. Er wollte es einfach hinter sich bringen.

Tough Mudder Berlin 2014 (27 von 31) Alle Jungs haben den Tough Mudder 2014 Berlin mehr oder weniger unversehrt überstanden. Es gab zwei kleine Schnittverletzungen und eh schon ramponierte Körperteile machten sich bemerkbar, doch alles im Rahmen.

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Nächstes Jahr wollen die Jungs übrigens nochmal antreten, mit einem größeren Team und Kostümen. Davon gab es nämlich einiges an Inspiration. Leider konnte ich Superman & Co nicht so schnell erwischen.

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FAZIT: Man sollte sich das Spektakel wirklich mal anschauen. Auch wenn man als Zuschauer nicht alle Hindernisse sehen kann, es lohnt sich. Und wenn ihr überlegt, selbst mitzumachen: traut euch. Es waren viele Mädels dabei, ältere Menschen und auch nicht Durchtrainierte. Man kann das schaffen! Ich sage Tough und ihr sagt Mudder. Ha!

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Kommentar

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    Mudder Guide

    Hallo Patricia,

    schön, das Ganze mal aus Zuschauersicht zu lesen 🙂

    Ich glaube jedoch, dass man als Zuschauer viele Dinge nur erahnen kann. Wer da einmal teilgenommen hat, der möchte wieder und wieder an den Start gehen und da sich die Veranstalter ständig neue verrückte Hindernisse ausdenken, kommt da auch nie Langeweile auf.

    Gerade von Frauen hören wir immer wieder die Aussagen, dass sie das niemals schaffen würden, aber das ist ehrlich gesagt totaler Quatsch. Der Frauenanteil schwankt zwischen 30 und 50 Prozent und das sind gewiss nicht alles Sportskanonen. Mit einigen Wochen Vorbereitung wärst sicherlich auch du fit genug, um einen Tough Mudder zu meistern.

    Wer von uns würde schon im Alltag durch Eiswasser schwimmen, Stromschläge kassieren oder durch Feuer springen? Bei Tough Mudder geht es darum über sich hinauszuwachsen und wenn du dir die Teilnehmer im Zielbereich anschaust, dann siehst du deren Glücksgefühl und Stolz regelrecht in deren Augen. Überleg dir das also vielleicht noch mal und schließe dich deinen Jungs an 😉

    Ach ja, das von dir beschriebene Zeitlimit (eine Zeitnahme erfolgt ja generell nicht) gibt es in der Form nicht. Es gibt nur einen Endzeitpunkt, von dem spätere Startgruppen betroffen sein können. Wenn du früh startest, dann kannst du den Parcours genauso gut auch in sechs Stunden absolvieren.

    Apropos früh: Wer sich rechtzeitig anmeldet, der ist mit 79 EUR (SO) bzw. 89 EUR (SA) dabei und wer einen Tag als Volunteer hilft, der kann sogar für 20 EUR an den Start gehen.

    Viele Grüße

    Michael
    (Mudder Guide)

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