Albas Geburtsbericht – Eine schöne, ungeplante Alleingeburt zu Hause

Hausgeburt Alleingeburt positiver Geburtsbericht friedliche Geburt

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Montag, der 28.06., 09:00

Stefan: So, jetzt ist es soweit. Der erste Tag der dreiwöchigen Kitaschließzeit ist gekommen und Alba ist immer noch nicht da. Unser Plan war doch eigentlich, dass die ersten zwei Wochen Wochenbett jetzt schon rum sind und das erste Eingegroove schon passiert ist. Tja da haben wir wieder die deutsche Sucht nach Planung. Alles muss geplant sein, damit man nicht den Kopf verliert. Auch in uns steckt sie tief drin und kommt mal zum Vorschein. Mal ganz ehrlich: als wenn man das Natürlichste der Welt, eine Geburt, planen könnte 😀 . Wir sind wieder einmal so naiv gewesen!

Also machen sich Susi, Marlena und ich so langsam fertig, um uns auf die morgendliche Hunderunde zu begeben.

Patricia: Es ist Montag, der erste Tag der dreiwöchigen Kitaschließzeit, und eigentlich bin ich davon ausgegangen, dass zum jetzigen Zeitpunkt das Frühwochenbett vorbei ist. Doch nein, die Minikaiserin Nr. 2 hat es sich in meinem Bauch gemütlich gemacht. Nachdem ich mich monatelang kaum bewegen durfte, damit es wegen der diagnostizierten Zervixinsuffizienz nicht zu einer Frühgeburt kommt, sind wir jetzt 11 Tage über errechnetem Termin. Am Wochenende haben wir alles Mögliche versucht, um die Geburt anzustupsen. Wir haben zum Beispiel eine Choreografie einstudiert (zu sehen bei Instagram…), wir haben scharfes Essen gegessen, Hypnosen gemacht, ich lag zwischen Zimtstangen und Co. bei 30 Grad in der Badewanne und ich habe den widerlichsten Tee meines Lebens getrunken. Doch es passierte nichts. Nachdem ich erst Angst hatte, dass es mit der Hausgeburt NOCH nichts wird, habe ich plötzlich Angst, dass es mit der Hausgeburt nichts MEHR wird.

Um 09:00 Uhr hat sich meine Hebamme Ulrike samt ihrer Praktikantin Amelie angekündigt und wir hatten gestern bereits per WhatsApp geklärt, dass wir heute den berühmt-berüchtigten Nelkenöltampon ausprobieren wollen. Wie sagte Ulrike in etwa so schön: „Wenn das Getrinke nichts bringt, müssen wir untenrum ran.“ Apropos „unterum“: Dort untersucht sie mich jetzt erstmal, um die Lage zu checken. Und um gleich zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen, präpariert sie den Gummihandschuh gleich mit etwas Nelkenöl. Nachdem sie Muttermund & Co. befühlt hat, ist sie einfach nur erstaunt darüber, dass dieses Baby da immer noch drin ist. Denn anscheinend kann man unterum gar nicht bereiter sein, als ich es bin.

11:00

Patricia: Ulrike und Amelie sind wieder weg und der Nelkenöltampon liegt bereit, um dann mittags angewendet zu werden. Ich bin mal wieder müde, mein quasi Dauerzustand seit Monaten, und beschließe mich hinzulegen. Doch wie ich da so liege, merke ich, dass sich da irgendwas tut untenrum. Ich kann nicht sagen, warum, aber ich merke sofort, dass es Wehen sind. Es tut nicht weh und fühlt sich eigentlich auch nicht anders an als die Übungswehen, die ich seit Wochen habe, aber ich weiß es einfach. Doch da ganze sechs Menschen in die Geburt involviert sind, will ich mir einfach wirklich sicher sein, bevor ich alle aufscheuche. Also lade ich mir fix eine Wehentracker-App herunter und beginne zu tracken. Nach wenigen Minuten kontaktiere ich Stefan, Stefans Onkel, der Susi abholen soll, meine Mama, die Marlena übernimmt, Patti, die wieder Fotos machen soll und natürlich Hebamme Ulrike. Denn die Wehen kommen bereits im Abstand von 4 Minuten und sind 2 Minuten lang. Patti fährt aus Angst, die Geburt zu verpassen, sofort los. Auch Stefans Onkel macht sich bereit und Ulrike bittet mich, sie auf dem Laufenden zu halten. Nachdem ich mit allen gesprochen habe, mache ich mir meine Hypnose aus „Die friedliche Geburt“ an und veratme die Wehen.

Stefan: Ich sitze gerade am Spielplatz, Susi neben mir und wir schauen Marlena zu, wie sie oben an der Rutsche steht, um runterzurutschen. Plötzlich klingelt mein Handy und Patricia ist dran. Sie sagt, dass wir so langsam nach Hause kommen sollten. Sie hat wohl das Gefühl, dass es bald losgehen könnte. Ich versuche ruhig zu bleiben und Marlena vom Spielplatz zu bekommen.

11:30

Stefan: Wir sind zurück in der Wohnung angekommen und ich sehe schon, dass bei Patricia irgendetwas anders ist. Als ich sie frage, ob es wohl wirklich soweit ist, nickt sie nur noch. Ich packe alle Sachen ein, die Marlena so benötigt für die nächsten Tage und mache mich mit ihr auf den Weg zu Patricias Mutter. Natürlich erkläre ich Marlena unterwegs noch kurz, dass sie heute bei Oma schlafen wird. Sie fragt mich, ob das Baby kommen wird und ich sage ihr, dass es sein kann.

Patricia: Stefan und Marlena sind von ihrer Gassirunde zurück und packen schnell die Badesachen zusammen, damit Marlena mit meiner Mama zum See kann. Ich bekomme das nur verschwommen mit in meiner Hypnose und verabschiede mich mit einem seltsamen Gefühl von Marlena.

12:30

Stefan: Endlich wieder Zuhause angekommen, mache ich mich an die ersten Vorbereitungen und hole den Geburtspool aus dem Koffer. Da klingelt es auch schon an der Tür, nicht das letzte Mal heute. Patti, unsere Fotografin, ist da und bereit ein zweites Mal die Geburt zu begleiten. Patricia ist noch ganz entspannt und ruhig, also sollte ich es auch sein. Ich mache mich weiter daran den Pool aufzubauen. Der Pool steht und ich bin schon wieder ein wenig entspannter, jetzt fehlt ja nur noch das Befüllen. Doch Patricia sagt, dass das noch Zeit hätte, also mache ich mich daran, Essen zu machen. Wir haben noch nichts zum Mittag gegessen und Essen kochen lenkt mich immer gut ab. Alles, was ich so als Fingerfood im Kühlschrank finden kann, wird in fingergroße Stücke geschnippelt.

Patricia: Ich bekomme am Rande mit, dass Stefan zurückgekommen ist und sich um den Aufbau des Geburtspools kümmert. Und dann klingelt es, Patti kommt. Mein Impuls ist, aus der Hypnose zu gehen und Patti zu begrüßen. Allerdings setze ich meine Brille nicht auf, was dazu führt, dass ich bei -4.0 Dioptrien weiterhin alles verschwommen wahrnehme… Patti, die bei der Hitze ganz durchgeschwitzt bei uns ankommt, springt erstmal unter unsere Dusche und dann setzen wir uns alle an unseren Esstisch, quatschen über Waschtrockner, Stefan bereitet Snacks zu und ich greife nochmal ordentlich zu. Während Marlenas Geburt habe ich überhaupt nicht an Essen gedacht, aber jetzt hab ich Hunger und schaufele Obst und Gemüsesticks mit Hummus in mich hinein. Irgendwann kommt auch Stefans Onkel an und wir sitzen einfach beisammen und erzählen. Ach und ich veratme weiterhin die Wehen und bin total entspannt.

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13:30

Patricia: Jetzt ist ein Punkt gekommen, an dem die Wehen sehr intensiv werden. Nicht schmerzhaft, aber kraftvoll und ich habe den Impuls mich zurückzuziehen. Also verabschiede ich mich, gehe ins Schlafzimmer, ziehe nun das „Hello Baby“-Nachthemd an, was ich bereits bei Marlenas Geburt getragen habe und gehe wieder in Hypnose.

Stefan: Mein Onkel ist nun auch schon da und wir sitzen ganz entspannt am Esstisch und hauen uns den Humus und das ganze geschnittene Gemüse hinter die Binde. Patricia wird es jetzt langsam doch zu bunt und ich merke auch, dass sie immer tiefer atmet, die Wehen werden stärker. Jetzt steht für mich auch endlich zu 100% fest, dass wir in ein paar Stunden Eltern von zwei Kindern sind. Sie sagt noch schnell Tschüss und geht ins Schlafzimmer, um sich mit der Hypnose auf die Geburt vorzubereiten. Mein Onkel nimmt nun alle Sachen, die ich für Susis Übernachtungen gepackt habe, mit, schnappt sich den Hund und Patti und ich sind wieder alleine in der Küche.

14:00

Stefan: So, endlich ist es soweit und ich mache mich daran, den Pool zu befüllen. Schlauch an den Hahn angeschlossen und los geht’s. Ich mache das Wasser an, doch springt der Schlauch wieder vom Hahn. Ich denke mir nur: „Was ist denn jetzt los?“ Habe es doch extra vorher getestet, komisch. Na dann schließe ich ihn einfach noch einmal an. Und genau das Gleiche passiert wieder. Was ist da nur los? Es ist einfach zu viel Druck drauf, wenn das Wasser durch den kompletten Schlauch läuft. Es scheint, als wenn das Anschlussventil schon so „abgenudelt“ wurde, dass es bei richtigem Druck nicht hält. Beim Testen habe ich natürlich das Wasser durchlaufen lassen, doch nicht minutenlang das Wasser durch den 10 Meter Schlauch. Und anscheinend wird mir das jetzt zum Verhängnis. Das Wasser spritzt nur so durch die Gegend, wenn der Schlauch abgeht. Alles ist nass, inklusive mir. Dann drehe ich den Hahn halt nicht ganz auf, denke ich mir. Das wird schon funktionieren und es klappt auch, bis der Pool ungefähr zur Hälfte voll ist. Doch dann geht irgendwie gar nichts mehr. Der Schlauch hält nicht mehr. Patricia fragt mich mehrfach, wann sie in den Pool kann. Ich sage ihr, dass es nicht mehr lange dauern wird. Sie ahnt, dass etwas nicht stimmt, das merke ich sofort. Wir kennen uns einfach schon zu lange und zu gut.

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Patricia: Während der Hypnose bekomme ich wieder nur verschwommen mit, was sonst noch so in der Wohnung passiert. Ab und zu sehen Stefan und Patti nach mir, bringen mir auf meinen Wunsch hin Wasser und eine Schüssel (die ich diesmal zum Glück nicht benötige), aber ich bin eh gerade sehr mit mir selbst beschäftigt und lieber allein. Doch ich spüre, dass da „draußen“ irgendwas nicht stimmt. Als ich irgendwann das Bedürfnis habe auf Toilette zu gehen, sehe ich, dass Stefans T-Shirt nass auf dem Badezimmerboden liegt und Patti bittet mich aufzupassen nicht auszurutschen. Nachdem ich Stefan schon mehrfach gefragt habe, wann ich denn endlich in den Pool kann und er mich immer wieder vertröstet, zähle ich 1 und 1 zusammen. Da scheint irgendwas mit der Befüllung des Geburtspools nicht hinzuhauen…

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14:30

Patricia: Ich bin ins Schlafzimmer zurückgekehrt und die Wehen werden immer intensiver. Im Bad hatte ich das Gefühl, sehr laut gewesen zu sein, jedoch scheint das nur mein Empfinden zu sein. Denn kein Nachbar hat etwas gehört und auch Stefan und Patti nicht, wie ich später erfahren soll. Die beiden sind nach wie vor mit dem Pool beschäftigt und ich mache mein Geburtsding. Ich bin die ganze Zeit in Hypnose und setze mich jetzt aufs Bett. Liegen fühlt sich nicht mehr gut an. Ich habe den Impuls Ulrike zu updaten und schreibe ihr: „Ich glaub, ich fände es schön, wenn du bald kommst. Die Wehen sind schon ganz schön intensiv.“ Im Nachhinein betrachtet, hätte ich das angesichts der Wehen, die ich zu diesem Zeitpunkt hatte, vielleicht etwas deutlicher formulieren sollen. Vielleicht sowas wie: „Kommt jetzt SOFORT!“

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Stefan: Ich gebe Patricia noch etwas zu trinken und frage, wie es ihr geht. Sie sagt, dass es jetzt schon mehr wird. Ich frage, ob ich Ulrike noch einmal anrufen soll, dass sie sich beeilen soll. Doch sie sagt mir, dass sie ihr gerade geschrieben hat, dass sie sich langsam bereit machen soll, loszufahren. Ich bin da anderer Meinung. Heimlich gehe ich in den Wintergarten und rufe Ulrike an. Ich sage, ihr, dass sie jetzt wirklich kommen soll. Dass ich das Gefühl habe, dass es nicht mehr lange dauert. Sie sagt, dass sie ihre Sachen zusammenpacken wird und sich auf den Weg macht. Ich bin beruhigter. In der Zwischenzeit sind Patti und ich dabei den Pool mit Eimer und Schüsseln per Hand vollzumachen. Es wird langsam. Nicht mehr lange, dann ist es endlich geschafft.

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15:15

Patricia: Ich halte es nicht mehr aus auf dem Bett. Die Wehen werden jetzt so intensiv, dass ich nicht so richtig weiß, wohin mit mir. Ich hab natürlich keine Ahnung, dass ich bereits im Endstadium der Geburt bin. Schließlich hat niemand nach dem Muttermund gefühlt. Und ich will ja auch noch in den Pool. Ich knie mich aus einem Impuls heraus vor unser Bett und veratme eine Wehe nach der anderen. Dann merke ich, wie meine Fruchtblase platzt. Ich greife nach der Schüssel und rufe, dass ich sofort ins Bad muss, damit ich nicht das Schlafzimmer überschwemme. Was die beiden da draußen mittlerweile machen? Keine Ahnung. Auf dem Weg ins Bad rufe ich noch: „Wo sind die beiden?“ und meine Ulrike und Amelie. Ich stürme ins Bad und setze mich auf die Toilette.

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Stefan: Es ist geschafft, der Pool ist voll, ich sage Patricia, dass sie rein kann. Doch sie hockt schon auf dem Boden vor dem Bett. Sie fragt, oder brüllt eher, wo die beiden denn nun sind und sie kommen sollen. Ich soll sie erst einmal in Ruhe lassen und gehe wieder aus dem Schlafzimmer, schnappe mein Handy und versuche Ulrike mehrfach anzurufen. Niemand geht ran. Von „Es reicht, wenn sie sich langsam auf den Weg machen!“, sind wir jetzt schon bei „Sie sollen jetzt endlich kommen!“. Innerhalb von 30-45  Minuten. Ich habe jetzt schon das Gefühl, dass das eine sehr knappe Kiste wird.

15:25

Patricia: Und da ist er plötzlich. Ein unfassbarer Pressdrang. Ich kann nichts dagegen machen, die Schwerkraft und die Natur, oder was auch immer, haben übernommen. Ich denke kurz: „Scheiße, ich werde reißen!“ (Spoiler: Ich bin nicht gerissen.), und versuche mit der Hand ein wenig gegen den Damm zu drücken, als Albas Köpfchen geboren wird. Alles geht sehr schnell, aber ich habe in keinster Weise Angst. Ich hab da irgendwie tiefstes Vertrauen in meinen Körper. Ich mache die Badezimmertür auf und rufe: „Äh, das Köpfchen ist schon da!“ und Patti kommt angerannt. Sie will helfen, aber ich weise sie zurück. Ich glaub, ich will das allein machen. Doch als Stefan kurz darauf kommt und mit der nächsten Wehe der restliche Körper geboren wird, darf er mit ran. Alba wird tatsächlich in unsere Hände geboren und wir legen sie gemeinsam auf meine Brust. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, dass da in mir vorgeht. Freude und tiefstes Erstaunen mischen sich. Ich kann nicht glauben, dass sie schon da ist. Dass es das jetzt war. Dass ich nicht mehr in den Pool gehe. Dass Ulrike nicht mehr dabei sein wird. Dass wir es ohne Ulrike geschafft haben. Dass wir gerade unsere zweite Tochter über der Toilette geboren haben…

Stefan: Ich stehe in der Küche, schaue aus dem Fenster, sehe den Stau und denke noch, nicht dass die Hebamme deshalb noch nicht da ist. Ich wähle noch einmal ihre Nummer und es tutet.  Während ich warte, dass sie rangeht, kommt Patti zu mir und sagt, dass das Köpfchen wohl schon zu sehen ist. Ich knalle das Handy weg und sprinte ins Bad und sehe, wie der Kopf rausschaut. Ich bin jetzt nicht der Typ, der Angst vor Geburt, Blut oder solchen Themen hat, doch das habe ich mir hier schon anders vorgestellt 😀 . Ich sage Patricia, dass ich den Kopf halte und sie presst noch einmal, selbst ich spüre, wie intensiv ihr Pressdrang ist. Und schon Sekunden später presst sie und unser zweites Baby kommt komplett raus. Wir halten sie beide über bzw. in der Toilette. Passend zum Ablauf ist Albas Griffkraft/-reflex schon so stark, dass wir sie nicht aus dem Toilettenbecken heben können, sie hat sich von innen an der Klobrille festgekrallt. Ich reiße ihre Hand weg und hoffe, dass ich ihr nicht den Arm gebrochen habe. Doch alles ist gut. Patricia sagt mir, dass ich ihr Alba an die Brust legen soll, während sie ihr Nachthemd hochzieht.

15:31

Patricia: Alba beginnt zu schreien und es klingelt an der Tür. Ja, wirklich exakt gleichzeitig. Patti öffnet und ich sehe Ulrike und Amelie hereinkommen, denn die Wohnungstür liegt genau gegenüber der Badezimmertür. Ulrike und Amelie sind nicht weniger erstaunt darüber, dass das Baby schon da ist. Doch sie fangen sich sehr schnell und schaffen es irgendwie, ohne Hektik zu verbreiten, gleichzeitig schnell Handtücher zu holen und Alba darin einzupacken, zu fragen, wie es uns allen geht und das Schlafzimmer vorzubereiten. Ulrike bringt uns vom Bad ins Schlafzimmer und dort legen wir uns nun hin. Stefan, Alba und ich. Wir kuscheln, ich stille zum ersten Mal und wir warten auf die Nachgeburt. Es fühlt sich total schön an zu Hause zu sein. Geborgen. Und ich freue mich so sehr, dass alles so wunderbar geklappt hat. Ulrike sagt zu mir: „Du machst jetzt aber bitte keine Werbung für eine Alleingeburt auf dem Blog, ja?“ Und nein, das mache ich hiermit nicht. Natürlich hätte ich Ulrike gern dabei gehabt und bin zutiefst dankbar, dass es alles so gut ausgegangen ist. Aber man muss auch keine Angst haben vor einer Alleingeburt. Wir Frauen sind dazu in der Lage, wenn wir entsprechend vorbereitet sind. Und damit meine ich mental vorbereitet. Ich habe das mit dem Onlinekurs gemacht. Doch dazu kommt dann nochmal ein separater Blogartikel…

Stefan: Da stehen wir nun an der Toilette im Bad (der kleinste Raum unserer Wohnung wohlgemerkt) und können es nicht fassen, was da gerade passiert ist. In dem Moment schreit Alba los und es klingelt an der Tür, die Hebamme kommt. Als Ulrike und Amelie reinkommen, sehen sie uns schon, wie wir da stehen und das Kind halten, vollkommen geschockt, versteht sich 😀 . Wir gehen zusammen ins Schlafzimmer und legen uns ins Bett, also Patricia mit Alba und ich daneben. Ulrike deckt die beiden zu. Mich fragt sie, ob alles ok ist und macht dann im Nachhinein noch einen Spaß, dass ich ja ab jetzt bei ihr als Geburtshelfer aushelfen kann. Lieber nicht ;-D . Das hat mir mehr als gereicht. Doch eigentlich war es das Schönste und Intimste, was ich je mit Patricia erlebt habe. Wer kann schon sagen, dass sie das Baby alleine Zuhause in den eigenen 4 Wänden bekommen haben? Alles, auch im Nachhinein, fühlt sich so gut an. Anders als beim ersten Mal im Krankenhaus, als Patricia danach in ein 3-Bett-Zimmer gerollt wurde und die Ruhe und Intimität komplett verschwunden war. Das ist doch mal eine Geschichte für die nächste Grillparty….

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Kommentare

  • Avatar
    Carolin

    Vielen Dank für diesen sehr privaten Einblick in die Geburt von Alba.
    Ich kenne auch Leute, bei denen die Geburt des dritten Kindes (ebenfalls als Hausgeburt geplant) doch etwas zu schnell für die Hebamme ging – und auch da waren alle glücklich mit dem Ergebnis: in doppelter Hinsicht 😉 Und auch bei euch freue ich mich mit, dass alles daheim geklappt hat, wenn auch ohne Pool. Ich muss auch sagen, dass diese Krankenhausgeschichte mir einmal gereicht hat. Bei uns im Krankenhaus waren der Kreißsaal und das Team dort super, aber die Station dann… na ja. Eure Entscheidung für eine komplette Hausgeburt kann ich darum gut nachvollziehen. Und schön, dass Patti euch wieder begleiten konnte!
    Liebe Grüße
    Caro

  • Avatar
    Anja

    Ich sitze hier mit Tränen in den Augen – so berührt von dieser intimen Einsicht und der Freude, dass ihr so eine wundervolle Geburt erleben durftet <3

  • Avatar
    Lena

    Wahnsinnig berührend. Danke für eure Geschichte!

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