Buch des Monats: Unbehauste – 23 Autoren über Fremdsein

UnbehausteDass mal eine Kurzgeschichtensammlung Buch des Monats wird, hätte ich auch nicht gedacht. Denn eigentlich ziehe ich Romane immer Kurzgeschichten vor. Ich mag es einfach, in Geschichten einzutauchen, mich darin zu verlieren wie in einer anderen Welt. Doch diese Anthologie (das ist übrigens der Germanistik-Absolventin-Klugscheißerin-Fachbegriff, den ich euch natürlich auch um die Ohren hauen muss) ist etwas ganz Besonderes und die Texte darin fabelhaft. Wenn „Unbehauste“ nicht Buch des Monats geworden wäre, dann wäre das einfach unverantwortlich. 😉 Denn: Dieses Buch ist nicht nur unterhaltend, sondern regt gleichzeitig zum Nachdenken an UND ist für den guten Zweck.

Übrigens war „Unbehauste“ durchaus nicht konkurrenzlos. Gelesen habe ich im letzten Monat nämlich außerdem „#Girlboss“ von Sophia Amoruso (liest sich super und ist eine wahre Inspiration für alle Frauen und auch Männer, die beruflich etwas erreichen möchten). Gehört habe ich „Lügen, die von Herzen kommen“ von Kerstin Gier (gewohnt unterhaltsam und einfach gut anzuhören) und „Die Liebe ist ein Trampeltier“ (Fing wirklich unterhaltsam an, ließ aber zum Ende hin ein bisschen nach. Trotzdem nicht schlecht.) Nun kommen wir aber zum Buch des Monats.

Verfasser, Titel und Verlag: Alexander Broicher (Herausgeber und Autor) & 22 weitere Autoren (siehe unten), Unbehauste – 23 Autoren über Fremdsein, Nicolai Verlag

Wovon handelt das Buch? Unbehauste ist eine Sammlung aus 23 Texten verschiedener Autoren über das Thema Fremdsein. Wie ist es, wenn man sich fremd fühlt, wenn man kein Zuhause, keine Heimat (mehr) hat? Warum gibt es Grenzen und wie wirken sich diese auf Menschen aus?

Warum ist dies dein Buch des Monats? Gib 23 Autoren ein Thema vor und du bekommst 23 völlig unterschiedliche Texte. Jeder Text ist für sich sehr interessant. Und die Vielseitigkeit der Texte macht für mich den Reiz von „Unbehauste“ aus. Der eine Text hat mich mehr angesprochen als der andere. Logisch. Man mag ja auch nicht alle Gummibärchen in der Tüte gleich gern, oder? (Ich favorisiere die roten Bären, falls das jemanden interessiert.)

Unbehauste ist ein Buch für Flüchtlinge, denn ein Teil des Erlöses kommt der Flüchtlingshilfe zugute. Schreiben für den guten Zweck und lesen für den guten Zweck. Doch für mich persönlich hat „Unbehauste“ einen noch emotionaleren Wert, als es das wegen der Flüchtlingsthematik sowieso schon hat. Denn einen der Texte hat meine beste Freundin und Trauzeugin to be geschrieben. Eine wunderbare Autorin (ich hoffe so sehr, dass ihr Roman, den ich bereits lesen durfte, ganz bald veröffentlicht wird) und natürlich ein wunderbarer Mensch. Ramonas Text ist ganz eigen, ganz berührend und er hat mit Bonbons zu tun (womit wir wieder bei Süßigkeiten wären). Ich war bei der ersten Lesung von „Reading for Refugees“ vor einigen Wochen dabei und durfte zwei der Autoren und Geschichten live hören. Auch das hat für mich „Unbehauste“ nochmal lebendiger gemacht.

Ein tolles Projekt, wunderbare Geschichten und verschiedene Perspektiven. Wenn ihr jetzt Angst davor habt, traurige Erzählungen von schrecklichen Schicksalen geflüchteter Menschen zu lesen, dann kann ich euch beruhigen. Die Geschichten von „Unbehauste“ handeln nicht einmal durchgehend von Flüchtlingen. Denn das Thema Fremdsein ist vielfältig. Hier sind auch Geschichten aus dem Internat dabei oder (mein persönlicher Favorit) eine Geschichte, die von einer DDR erzählt, die sich so ganz anders entwickelt hat als es die „echte“ DDR getan hat. Es ist sogar ein unveröffentlichtes Kapitel aus „Mieses Karma“ von David Safier dabei! Doch lest selbst!

Und nun interessiert euch bestimmt noch, welche Autoren denn alles Texte für den guten Zweck beigesteuert haben. Deshalb hier die Liste: Friedrich Ani, David Wagner, Kat Kaufmann, Benedict Wells, David Safier, Selim Özdogan, Marcus Braun, Anik Feit, Christoph Silber, Florian Wacker, Matthias Sachau, Jule Müller, Robin Baller, Jürgen Hobrecht, Judith Poznan, Manfred Theisen, Tina Ger, Michel Birbæk, Linda Rachel Sabiers, Norbert Kron, Ramona Raabe, Moritz Rinke und Alexander Broicher.

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Kommentar

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    Ramona R.

    Ich freue mich so sehr über diesen deinen Blick auf das Buch!
    Der letzte Text in dem Buch war für mich der berührendste, den habe ich einige Male gelesen…

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