6 Monate Fair Fashion & Second Hand – Ein neuer Selbstversuch

Fair Fashion Hessnatur

Seit Jahren beschäftigen wir uns nun Stück für Stück mal mehr mal weniger heimlich mit dem Thema Nachhaltigkeit in allen Lebensbereichen. Und nun sind wir auch bereit dazu, das öffentlicher zu machen. Wir haben keine Angst mehr davor, dass mit den Augen gerollt wird, weil die nächsten auf den Nachhaltigkeits-Hype-Zug aufspringen. Nachhaltigkeit ist kein Hype, kein Trend, sondern einfach unsere Pflicht umzudenken. Und wir haben auch keine Angst mehr davor, gleich ins Kreuzfeuer zu geraten, nur weil wir nicht von jetzt auf gleich zu 100% nachhaltig leben, wie es leider immer wieder verschiedene Blogger erleben müssen. Sarah hat dazu letzte Woche übrigens einen tollen Artikel geschrieben. Wenn jeder einfach versucht, sein Leben nachhaltiger zu gestalten, weniger zu konsumieren, grüner zu reisen und Stück für Stück Gewohnheiten zu ändern, dann ist uns allen und unserer Umwelt schon ein ganzes Stück geholfen. Doch was steckt hinter dem Projekt, welche „Ausgangsvoraussetzungen“ haben wir und was erhoffen wir uns vom Selbstversuch?

Unsere bisherigen Erfahrungen mit Fair Fashion & Second Hand

Patricia: Second Hand war schon früh ein Thema in meinem Leben. Ich gehörte zwar nie zu den Kindern, die die Kleidung ihrer Geschwister aufgetragen haben, da ich einfach keine Geschwister hatte, aber ich hab als Jugendliche ziemlich früh eBay für mich entdeckt. Ich hab gemerkt, dass ich mehr aus meinem Taschengeld herausholen kann, wenn ich auf eBay second hand shoppe und das auch getan. Später habe ich dann natürlich auch begonnen auf Kleiderkreisel zu kaufen und zu verkaufen und war auch schon bei Tauschparties, auf dem Flohmarkt und ähnlichem. Ich habe Kleidungsstücke von Familienmitgliedern und Freundinnen im Kleiderschrank und ich habe auch schon in Second Hand Läden gekauft. Doch das bisher am seltensten. Leider war es nämlich bisher so, dass die Sachen dort nicht so mein Fall waren. Natürlich hatte ich beim Second-hand-Shoppen auch schon die ein oder andere Enttäuschung dabei. Doch meine Erfahrungen sind überwiegend positiv. Auch Marlenas Kleidung ist seit Anfang an mindestens zur Hälfte Second Hand. Wir bekommen tolle Kleidung von der Tochter unserer Nachbarin geliehen und vieles habe ich auch schon auf Kleiderkreisel und auf Flohmärkten gekauft.

Beim Thema Fair Fashion bin ich noch blutige Anfängerin. Im letzten Sommer habe ich mein erstes Fair Fashion Teil, ein T-Shirt von People Tree, in dem nachhaltigen Laden „Bleib Sauber“ in Potsdam gekauft. Wir haben uns sofort in den Laden verliebt. Schön eingerichtet, tolle ausgewählte Fair Fashion Mode und ein sehr netter Besitzer. Ein ziemlich guter Einstand für Fair Fashion. Im Sommer haben wir dann erstmals mit Hessnatur kooperiert. Marlena wurde für den Sommer ausgestattet und wir haben die Sachen geliebt. Im Herbst ging es dann weiter und Stefan durfte für das Hessnatur Magazin Sportmode testen, Marlena und ich suchten uns weihnachtliche Outfits aus.

Hessnatur Sport

Stefan: Bei einer Freundin von uns konnten wir von Treffen zu Treffen immer mehr den Wandel zu Nachhaltigkeit und gesunder Lebensweise bei ihr beobachten und es war für mich einfach immer toll zu sehen, wie engagiert sie ist und welche Verantwortung sie da schon übernimmt. Sie weiß sogar halbwegs genau, wie viele Menschen für ihre Lebensweise ungefähr arbeiten müssen und leider auch „ausgebeutet“ werden oder die Arbeit unter mehr als schlechten Arbeitsbedingungen ausgeführt haben.

Viele engagierte Organisationen und dazugehörige Webseiten setzen sich nämlich mit diesen Themen auseinander und jeder kann nachschauen, wie viele Menschen denn für einen selbst unter schlechten Arbeitsbedingungen die Kleidung, etc. hergestellt haben.  Natürlich findet man unter diversen Berichten Kommentare wie „Das sei ja nicht genau und wie sollte man das genau berechnen können? Alles Propaganda…“ Bla, bla, bla. Wie sehr ich sie hasse, diese Aus-der-Verantwortung-Zieher, jeder hat schon mit einem zusammengearbeitet, man erkennt sie auch an Sätzen wie: „Das ist nicht meine Aufgabe“ oder „Das ist nicht mein Bereich…“ So bin ich einfach nicht. Ich versuche Verantwortung für mein Handeln zu übernehmen und bin halt meist der, der die Klappe aufreißt.

Und so ging es mir auch im letzten Jahr endlich mit Kleidung. Ich kann einfach nicht mehr meine Kleidung nur noch nach dem Preis auswählen. Von meinem Job als Personal Trainer weiß ich ja sehr gut Bescheid, wenn es um eine qualitativ hochwertige und somit auch gesunde Ernährung geht, dass Hack zum Kilopreis für 1,50 Euro im Angebot keine gute Qualität haben und frei von Schadstoffen etc. sein kann. Und wenn man einmal darüber nachdenkt, kann der Pullover für 3,50 Euro auch nicht nachhaltig produziert worden sein. Davon kann einfach kein Hersteller seine Kosten decken und noch mit Gewinn herausgehen. Ich kann natürlich auch wie viele die Augen verschließen und sagen, dass mich das nichts angeht, doch das will ich einfach nicht. Und so habe ich mir im letzten Jahr so wenig Kleidung wie noch nie gekauft. Und fast alle Sachen waren nachhaltig (1-2 Sockenpaare und Sportsachen für die Arbeit habe ich mir aufgrund der Optik gegönnt).

Das Thema Second Hand hingegen habe ich ehrlich gesagt irgendwie bisher vermieden. Aber gar nicht bewusst, sondern eher unbewusst. Patricia hat mir auf dem Flohmarkt mal ein T-Shirt gekauft, das seit Jahren mein Lieblings-T-Shirt ist. Und das hat gerade mal einen Euro gekostet. Daher freue ich mich, was das Projekt betrifft, darauf am meisten.

Die „Regeln“ für das Projekt

Die Regeln sind eigentlich sehr simpel. Wir dürfen von Januar bis Juni nur Second Hand und Fair Fashion kaufen. Für uns und auch für Marlena. Was dann genau Fair Fashion ist, gilt es noch herauszufinden. Denn so wie wir mitbekommen haben, betreiben viele große Modefirmen sogenanntes Greenwashing, tun ökologischer, als sie eigentlich sind. Wichtig ist uns einfach, keine Fast Fashion zu kaufen und noch genauer zu überlegen, was und wie viel wir kaufen. Doch es geht nicht darum, so wenig wie möglich zu konsumieren, sondern auch darum, Fair Fashion für uns zu entdecken.

Das erhoffen wir uns vom Selbstversuch

Patricia: Ich erhoffe mir noch weniger und wirklich durchdachten Konsum von neuen Kleidungsstücken und Schnäppchen durch Second Hand-Shopping zu erstehen. Was mir aber noch wichtiger ist: Mir Wissen über nachhaltige Mode anzueignen, mehr Marken für nachhaltige Mode kennenzulernen, genauso wie die Unterschiede zwischen wirklich fairer Kleidung und Green Washing. Und zuletzt möchte ich noch mehr Fair Fashion Blogger und Influencer entdecken. DAS Positiv-Beispiel schlechthin ist für mich bisher meine Kollegin Mia, die ich schon seit Jahren gut kenne. Sie schafft es in meinen Augen Fair Fashion sexy zu machen und rennt keineswegs mit erhobenem Zeigefinger herum. Ein großes Vorbild für mich.

Stefan: Ich möchte einfach noch bewusster meine Entscheidungen, aufgrund von Wissen, das ich mir angeeignet habe, treffen können, hinter denen ich dann stehen kann. Gerade, da ich als Vater jetzt auch Vorbild bin und Marlena eine verantwortungsvolle Lebensweise beibringen möchte. Außerdem finde ich es super interessant, die Auswahl an Second Hand- und nachhaltiger Kleidung zu sehen, da ja nachhaltige Kleidung irgendwie immer den Ruf eines gewissen „Ökostyles“ hat. Besonders das Thema Sportkleidung ist für mich da besonders wichtig.

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