Buchtipp: Barbara Noack – Eine Handvoll Glück

Eine Handvoll GlückJola und Luise könnten unterschiedlicher nicht sein, dennoch werden sie Freundinnen. Jola kommt aus einer reichen Familie, wohnt aber in dem chaotischen Haushalt ihrer geschiedenen Mutter. Luise, die in gutbürgerlichen, geordneten Verhältnissen aufwächst, sehnt sich nach genau solch einer Lebenssituation, die zu ihrem Charakter passt. Luise ist sprunghaft, verspielt und verträumt; Jola hingegen geradlinig, gewissenhaft und zielstrebig. Es stehen sich zwei Charaktere und Lebensformen gegenüber, deren Unterschiede während des Nationalsozialismus immer deutlicher werden…

Meine Rezension zu „Eine Handvoll Glück“ von Barbara Noack

Über kein anderes Kapitel der deutschen Geschichte wissen wir so viel wie über die Zeit des Nationalsozialismus. Es ist ein schwieriges Thema, bei dem sich bei einem Großteil der Deutschen noch heute ein schlechtes Gewissen einstellt. Ein Thema, bei dem wir nicht so recht wissen, wie wir damit umgehen sollen. Durch Bücher wie „Das Tagebuch der Anne Frank“ wissen wir, wie es den Juden ergangen ist, doch wie haben sich die Deutschen in dieser Zeit gefühlt? Und wie lebten deutsche Mädchen und deutsche Frauen zu dieser Zeit? Was fühlten sie, was bewegte sie? Darüber wissen wir wenig. Automatisch geht man davon aus, dass sich in ihren Leben alles um den Krieg gedreht hat. Doch vielleicht ist das auch zu einfach gedacht.

In „Eine Handvoll Glück“ geht es genau darum. Barbara Noack beschreibt anhand der zwei Freundinnen Luise und Jolande, wie es war zur Zeit des Nationalsozialismus ein Kind und später junges Mädchen zu sein. Sie zeigt, dass der Krieg und alles drumherum eigentlich viel weiter von einem selbst und dem Alltag entfernt ist, als man es sich vorstellen würde und trotzdem das ganze Leben, das Studium, die Liebe und die Familie beeinflusst. Dabei ist „Eine Handvoll Glück“ weitestgehend autobiographisch und damit sehr glaubwürdig, was die Ausführungen der Autorin Barbara Noack anbelangt.

Ich habe das Buch zu Weihnachten von meiner Tante geschenkt bekommen und fand interessant, dass es in Berlin spielt. Zu welcher Zeit, war mir zunächst auch beim Lesen gar nicht so bewusst. Ich fand es faszinierend, dass sich die Handlung zum Teil wirklich nur zwei S-Bahn-Stationen von meiner eigenen abspielte, aber das vor über 70 Jahren. Erst als die Handlung fortschritt und erste Anzeichen des Nationalsozialismus erkennbar wurden, wurde mir bewusst, was ich da tatsächlich vor mir habe: eine persönliche Dokumentation aus der NS-Zeit.

Es ist ein wenig so, als würde die Großmutter aus ihrer Kindheit erzählen und einem würde klarwerden, dass auch Omi mal jung war. Am Ende des Buches war ich sehr berührt und hatte bereits eine richtige Beziehung zu den Figuren aufgebaut. Noch viele Tage nachdem ich die letzte Seite gelesen hatte, dachte ich an Luise und Jola und wollte zurück. Deshalb möchte ich auch unglaublich gern die Fortsetzung „Ein Stück vom Leben“ lesen, doch an dieses Buch kommt man leider gar nicht mehr so einfach.

HIER gibt es noch weitere Bücher von Barbara Noack.

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