Marlenas Geburt – Teil 2: Endlich geht es los

Nachdem wir im ersten Teil des Geburtsberichts über das große Warten berichtet haben, geht es nun mit dem zweiten Teil weiter. Und leider müssen wir auch noch einen dritten Bericht schreiben. Wir schaffen es bei so einem wichtigen Ereignis einfach nicht uns kurz zu fassen und das würde ehrlich gesagt auch alles kaputt machen. Deshalb verzeiht uns bitte, dass wir euch keine 4000 Wörter am Stück antun wollen, sondern ihr heute erstmal 1800 bekommt. 😉 Wir wollen das Thema nicht ausschlachten. 😀

PS: Und nein, das ist keine Schleichwerbung für Philips. 😀

Sonntag, der 30.07. – 16:00 Uhr

Stefan: Das Programm für die nächsten Stunden ist nun geplant, jetzt muss ich nur noch auf Patricia warten, die sich mal wieder hingelegt hat. Als erster Punkt wird ein lustiger Film herausgesucht, was gar nicht so einfach ist, wenn man wie Patricia einen komischen Humor hat. Als Beweis für euch: sie findet „Dumm und Dümmer“ nicht lustig und „Old School“ total bescheuert und ich habe sie trotzdem geheiratet, was bin ich nur für ein Samariter 😛 . Wir entscheiden uns also für Ballermann 6, der wie ich ihr schon bei der Auswahl sagte, kein Film zum totlachen ist. Als nächster Punkt steht ein längerer Spaziergang auf den Plan. In den folgenden zwei Stunden kommt noch ein weiterer Punkt auf meine Liste. Als wir unterwegs sind, wird Susi von einem großen Pitbull angegriffen und ich muss dazwischenspringen, um diesen von Susi zu bekommen. Zum Glück passiert ihr nichts. Ich sehe mich schon erst auf dem Weg in die Tierklinik und durch den Stress die Geburt ausgelöst, sofort in die Menschenklinik, um meine Tochter zu bekommen. Oder eher Patricia 😉 Zum Glück passiert ihr nichts.

Patricia: Als ich nach dem kurzen Mittagsschlaf mit Hypnose wieder aufwache und zu Stefan und Susi ins Wohnzimmer gehe, berichtet mir Stefan von seinem Plan. Zunächst sollen wir einen sehr lustigen Film gucken. Doch irgendwie kann ich über „Ballermann 6“ nicht mehr so lachen. Also weiter im Programm. Auch wenn mir mit dem riesigen Bauch eigentlich nicht danach ist, gehen wir bei etwa 35 Grad Celsius spazieren. Und während wir an der Havel entlanglaufen oder eher schleichen, gibt es einen großen Schreck. Susi wird von einem anderen Hund angegriffen. Susis Jaulen während des Angriffs klingt beängstigend und ich denke nur: „Bitte lass Susi nicht noch so kurz vor der Geburt sterben.“ Die Besitzerin des Hundes sitzt auf einem Boot, wirkt nicht mehr ganz nüchtern und ist selbst ziemlich aggressiv und fordert uns auf, Susi wegzunehmen. Ich bin auf 180 und leg mich mit ihr an. Doch die Frau ist nicht ganz zurechnungsfähig, denn anscheinend checkt sie nicht einmal, dass ich schwanger bin. Als „fett“ bezeichnet sie mich. Ich könnte mir gut vorstellen, dass dieses Erlebnis nicht ganz unschuldig am weiteren Geschehen war…

20:45 Uhr

Patricia: Wir gehen noch in Ruhe etwas essen und zu Hause angekommen geht das Programm weiter. Auf dem Pezziball muss ich komische Übungen machen, während Stefan mir eine Wanne einlässt und dort Zimt und Ingwer reinstreut. Ganz ehrlich? Im Hochsommer gibt es Schöneres als in der heißen Wanne zu sitzen. Doch das Programm muss weitergehen. Meine riesige Kugel und ich hieven uns zurück aufs Sofa, wo ich einen Himbeerblättertee auf Ex trinke. Cool. Es fühlt sich ein wenig an, als wäre ich in der Karibik. Aber nur wegen des Schwitzens. Stefan holt das wehenfördernde Öl, das uns die Hebamme im Krankenhaus mitgegeben hat, und massiert damit meinen Bauch, während wir eine Folge „Modern Family“ schauen. Ich werde zunehmend müde und freue mich aufs Bett.

Stefan: Zu Hause angekommen, darf sich Patricia noch ein wenig auf den Pezziball setzen und kreisende Bewegungen machen, um alles ein wenig zu lockern (übrigens ist das auch ohne Baby und Kugelbauch keine schlechte Idee 😉 ). Den Himbeerblättertee trinkt sie auf EX (tut das bitte nicht, sie sollte diesen über einen längeren Zeitraum Schluck für Schluck zu sich nehmen 😀 ). Bevor es zum Abschluss eine Bauchmassage mit dem am Mittag im Krankenhaus bekommenen geheimen „Superzeugsöl“ der Hebamme gibt, muss sich Patricia ein warmes Bad (bei über 30 Grad Außentemperatur 😀 ) gönnen. Ingwer und Zimt sollen nämlich auch wehenfördernd sein und so sitzt Patricia in einem großen Wintertee und brutzelt vor sich hin. Während der Massage beschließen wir nur noch eine oder maximal zwei Folgen unserer momentanen Lieblingsserie zu schauen und dann ins Bett zu gehen. Irgendwie haben wir beide das Gefühl, oder eher die Hoffnung, dass es heute Nacht oder am nächsten Morgen passieren wird und so wollen wir noch ein wenig Kraft tanken.

Doch dann soll ich die Serie kurz stoppen, denn Patricia scheint da irgendwie etwas zu verlieren. Irgendein Wasser scheint sich da seinen Weg nach draußen zu bahnen. Ist das jetzt die Fruchtblase, die geplatzt ist oder etwas anderes? Mein Herz hat glaube ich gerade einen Aussetzer. Es scheint wirklich Fruchtwasser zu sein. Susi geht auf Nummer sicher und testet erstmal, indem sie die Pfützen auf den Fliesen ableckt 😀 . Ich suche alle Sachen für Susi zusammen (natürlich haben wir auch ihre Tasche schon vor einigen Tagen gepackt) und ich mache mich mit ihr auf den Weg zu Patricias Mutter. Während ich im Auto sitze, bin ich wirklich froh, dass es Nacht ist. Wenn ich mir jetzt vorstelle, im täglichen Touristenverkehr in Potsdam zu stecken, wäre das die Hölle und ich würde wahrscheinlich so viel fluchen, bis ich keine Stimme mehr habe :-D.

Patricia: Wenige Minuten nachdem Stefan mit der Bauchmassage fertig ist, wird es plötzlich nass zwischen meinen Beinen. Glücklicherweise habe ich vorsichtshalber ein Handtuch untergelegt. Ich bin sofort sicher, dass das meine Fruchtblase war und versuche das vorsichtig Stefan anzudeuten. „Schatz, bleib jetzt ganz ruhig, aber ich glaub, meine Fruchtblase ist geplatzt.“ So ganz ruhig kann Stefan natürlich nicht bleiben und ich geh erstmal aufs Klo. Dort sehe ich auf dem Klopapier, dass die Flüssigkeit leicht rosa ist und erinnere mich, gelesen zu haben, dass das bei Fruchtwasser oft so ist. So ganz sicher bin ich mir aber immer noch nicht, weil kein weiteres Wasser kommt. Ich beschließe meine Mama, die Susi nehmen soll, vorzuwarnen. Ich gehe in die Küche und noch während ich meiner Mama am Telefon sage, dass ich nicht ganz sicher bin, ob es wirklich Fruchtwasser ist, läuft ein Schwall Wasser auf die Küchenfliesen. Ok. Das kann unmöglich kein Fruchtwasser sein. Ich bin mir sicher, dass ich meine Blase doch noch halbwegs unter Kontrolle hab. Aber hier kann ich absolut nichts kontrollieren. Susi kommt vorbei, um zu gucken, was los ist und leckt das Fruchtwasser von den Fliesen. Hunde.

Während ich mich wieder vorsichtshalber aufs Klo setze, bringt Stefan Susi zu meiner Mama, ich schreibe Patti, die die Geburt fotografisch begleiten möchte, und rufe im Krankenhaus an. Dort wird mir gesagt, dass ich doch bitte direkt kommen soll. Ich bin etwas unsicher, da es ja eigentlich heißt, dass man, solange das Baby bereits tief im Becken liegt, nicht sofort ins Krankenhaus muss, aber will mich natürlich auch nicht weigern. Mit einem Handtuch zwischen den Beinen versuche ich die restlichen Sachen in die Kliniktasche zu packen und bin tiefenentspannt. Es fühlt sich ein bisschen an wie im Film, als würde es gar nicht wirklich mich betreffen.

23:30 Uhr

Patricia: Während ich die Tasche packe, spüre ich, dass ich Schmerzen hab. Es fühlt sich an wie Menstruationsschmerzen, aber gut aushaltbar. Ich beschließe, nebenbei schonmal die Stoppuhr auf meinem Handy zu betätigen und bin leicht schockiert, als ich sehe, dass die Schmerzen, die offensichtlich Wehen sind, bereits alle 5 Minuten kommen. Ich dachte, das geht erstmal ganz langsam los? Beim Packen merke ich außerdem, dass das Handtuch nicht reicht. Wie in Gottes Namen soll ich ins Krankenhaus kommen, ohne das halbe Auto unter Wasser zu setzen? Glücklicherweise weiß Patti per WhatsApp Rat. Kurzerhand zweckentfremde ich einen Müllbeutel, ziehe die Henkel auseinander und steige rein wie in ein Höschen. Das funktioniert erstaunlich gut und nix geht daneben. Doch Stefans Blick, als er mich mit meinem Müllbeutel durch die Wohnung laufen sieht, ist zum Totlachen.

Stefan: Als ich wieder zu Hause ankomme, packt Patricia die letzten Sachen in ihre Tasche, während sie irgendetwas an den Beinen zu hängen hat. Ich frage lieber erst gar nicht nach, was das soll. Ich übernehme das Packen und merke, wie sie sich immer mal wieder am Kleiderschrank festhält. Ich frage, ob sie Wehen hat und sie ganz cool: „Ja, schon so alle 4-5 Minuten.“ Bei mir schrillen alle Alarmglocken im Kopf, denn von all diesen Hundert Millionen Infos aus den Geburtsvorbereitungskursen, Treffen mit den Hebammen, Internetforen, etc. ist mir eine Sache im Gehirn hängen geblieben: wenn die Wehen im 5-Minuten-Takt kommen, sollte man spätestens ins Krankenhaus fahren. Na dann aber los. Und so machen wir uns zur wahrscheinlich letzten Autofahrt zu zweit auf.

00:00 Uhr

Patricia: Die Fahrt ins Krankenhaus ist leichter als gedacht. Ich bin froh, dass es schon dunkel ist (vor allem, weil ich Angst hab, dass jemand den Müllbeutel unter dem Kleid sehen könnte) und weil es nachts draußen so viel ruhiger und entspannter ist. Während der Fahrt, die zum Glück nur 5 Minuten dauert, veratme ich eine Wehe und weitere auf dem Fußweg. Das Krankenhaus ist ruhig und im Kreißsaal werden wir von Hebamme Romy empfangen. Romy schickt Stefan in den Kreißsaal und geht mit mir zusammen aufs Klo, um zu überprüfen, ob es sich wirklich um Fruchtwasser handelt. Sie staunt über meine Müllbeutelkonstruktion und ist begeistert darüber, weil sie dadurch auf einen Blick erkennen kann, dass es tatsächlich Fruchtwasser ist und keine weiteren Tests nötig sind. Gemeinsam gehen wir zu Stefan und Romy erklärt uns das Prozedere. Wenn im CTG keine Wehen zu sehen sind und innerhalb von 12 Stunden auch keine kommen, müsse eingeleitet werden. Ich würde gleich erstmal auf Station aufgenommen werden und Stefan müsse dann nochmal nach Hause. Ich traue meinen Ohren kaum. Stefan nach Hause? Ich soll allein im Krankenhaus bleiben? „Wenn Stefan nach Hause muss, wird die nächste Geburt eine Hausgeburt.“, denke ich. Ich deute vorsichtig an, dass ich glaube, schon Wehen zu haben. Romy schließt mich ans CTG an und verlässt erstmal den Raum.

Stefan: Im Krankenhaus angekommen, empfängt uns eine Hebamme, die wir leider vorher bei den ganzen CTG-Terminen nicht kennenlernen durften. Sie scheint auch wirklich nett zu sein, doch mit einer Aussage schießt sie sich bei mir erst einmal wieder ins Abseits: „Das kann jetzt noch bis zu 12 Stunden dauern nach dem Platzen der Fruchtblase und es kann sein, dass Sie, Herr Kaiser, noch einmal nach Hause fahren müssen.“ Ich kotze innerlich. So kurz vorm Ziel und dann das. Nicht auszumalen, wenn es dann doch schneller geht und ich dann nicht rechtzeitig zurück bin. Bei der Geburt meines Kindes nicht dabei sein? Niemals! Sie wirft aber noch hinterher, dass sie Patricia erst einmal ans CTG anschließt und wir dann weitersehen. Während sie den Raum verlässt, starren Patricia und ich auf die rechte Zahl am CTG. Wir sehen, wie die Zahl am CTG immer größer wird. Bei etwa 125 bleibt sie stehen und ebbt langsam wieder ab. Nachdem sich das einige Male wiederholt hat, kommt Romy wieder rein. Sie hat das CTG draußen im Blick behalten. „Sie können hier bleiben, Herr Kaiser. Das wird Ihre Nacht.“ Nun wissen wir es sicher. Es geht los. Endlich!

 

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Kommentare

  • nadine

    Hach so ein schöner Artikel. Mitten aus dem Leben. Vielen Dank. Von schon ganz gespannt auf den dritten Teil.

  • Sarah

    Hach ihr Lieben,
    ist das aufregend! Ich hatte schon jetzt einen kleinen Anflug von Sentimentalität… wie soll das erst im dritten Teil werden? 😊 Vielen Dank, dass ihr uns an diesem Moment teilhaben lasst.

    Beste Grüße sende ich euch,
    Sarah

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